Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- II.1906
- Issue
- 23 (9.11.1906)
- Date
- 1906-11-09
- Page
- Seite 192 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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192 LITERATURBLATT No. 23 sehen Liedern ist das Bundeslied in der verballhornisierten Form abgedruckt, die die erste Auflage des Barkochba-Turnerliederbuchs Jungjuda diesem Liede hat zu teil werden lassen. Man hätte es dem ״Jungjuda“ überlassen sollen, Lieder in geschmackloser Form zu ״verbessern“. Das Gedicht Umkehr wäre besser fortgeblieben. Die hebräische Uebersetzung von Dr. Felds ״Dort wo die Zeder“ ist sehr schwach und unrythmisch. Die hebräische Uebersetzung deslTZbr^nicht minder. Sie reimt אש auf בית Aus dem Liederbuch שיריי ציון der jüdischen Kolonisten in Palästina hätten viele Lieder übernommen werden können. Im allgemeinen! ist das Liederbuch eine schöne Leistung und verdient in jeder Weise unter der jüdischen Jugend verbreitet zu werden. H. S. Notizen Eine jüdische Enzyklopädie Die z. Zt. von Redakteur Herrn N. Sokolow und anderen geplante Herausgabe einer neuen jüdischen Enzyklopädie soll demnächst Wirklichkeit werden; leider aber wird dieselbe nicht in hebräischer, sondern in russischer Sprache erscheinen. Der plötzlich als nächste Folge dle-r grossen Judennot in Russland eingetretene rapide Rückgang der hebräischen Literatur macht die Edition eines grossen Werkes in der heiligen Sprache gegenwärtig in der Tat undurchführbar. Sind doch während der letzten drei Jahre die vier in Russland bisher erschienenen hebräischen Tages- Zeitungen allesamt nach und nach eingegangen, um ebenso vielen Jargonblättern Platz zu machen! Die Enzyklopädie wird sechszehn Bände von je 30 Druckbogen umfassen, in vierteljährlicher^ Lieferungen erscheinen und in: ganzen sechzig Rubel kosten. Das Redaktionskomitee weist klangvolle Namen, wie Hessen, Baron David Gii'nzburg, Dubnow, Katzenellensohn, Kulischer, Pereierkowitsch etc., auf. Den Verlag übernimmt H- Efron. Noch ist aber die Aufbringung eines Garantiefonds von 90 000 Rubel erforderlich, der, falls er nicht gebraucht werden sollte, ebenso wie ein etwaiger Reingewinn zur Herausgabe anderer grosser jüdisch-literarischer Werke verwendet werden soll. Von dem genannten Betrage, hofft man zwei Drittel in Russland selbst, den Rest im Auslande zu beschaffen. Die Verwirklichung des grossen Planes wäre um so lebhafter zu wünschen, da die soeben abgeschlossene jüdische Encyklopädie in englischer Sprache grosse, sehr bedauerliche Mängel und Lücken aufweist. Jedenfalls ist die Tatsache selbst, dass von russischen Juden ein so gross angelegtes Werk in Angriff genommen wird, freudig zu begrüssen. Es offenbart sich, darin die Unverwüstlichkeit unseres Stammes und zumal die zähe Lebenskraft unserei russischen Stammes brüder, wenn sie selbst in Schreckenszeiten, wie die gegenwärtigen, das Vertrauen und den Mut haben, solchen literarscher Riesenplänen sich zu widmen. m der Schweinfurter Stadtbibliothek wurden durch den Verwalter derselben, Pfarrer Dr. Preger, vor kurzeni Pergamentblätter entdeckt, die als Fmbandüberzug des achten Bandes von Crusus’ Turcograecia verwendet waren. Diese Blätter, mit hebräischen Schriftzeichen beschrieben, stellten sich als Fragmente einer Handschrift des Raschikommentars zum Pentateuch heraus und umfassen die Erklärungen zu Genesis Kap 49, V. 9—26. ferner zu Exodus, Kap. 9, Vers 17, bis Kap. 12, Vers 4. Die von dem Einband losgelösten Blätter erklärte der als Raschi-Kenner bekannte Gelehrte Professor Dr. Berliner in Berlin nach dem Ductus als aus dem 14. Jahrhundert stammend; die Schriftzüge wie auch die zahlreichen Varianten weisen auf Deutschland als Heimatlannd der Handschrift hin. Die Blätter werden nunmehr gesondert in der Stadtbibliöthek aufbewahrt. Es wäre zu wünschen, dass sich noch Ergänzungsstücke der Handschrift finden möchten.