Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- II.1906
- Issue
- 22 (2.11.1906)
- Date
- 1906-11-02
- Page
- Seite 183 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No. 22 LITERATURBLATT 183 Pegauer Annalen gelegentlich der Romfahrt Heinrich IV.: ״Apostolico igitur cum Petro Leone! avunculo fugam ineunte. Der Gegenpapst Anaklet II. gehörte diesem jüdischen Renegatentume an. M. T a n g 1 prüft nun im Neuen Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde, Band 31, 1906, S. 159—179 die Frage ״Gregor VII. jüdischer Herkunf t?“ nach und kommt zum Resultat, dass die haltlosen Fabeleien der Pegauer Annalen überhaupt und damit auch die Stelle über Gregors Verwandtschaft mit Pierleone völlig zu verwerfen seien. Jüdischer Kunstverein in Warschau In Warschau ist ein Verein in Gründung begriffen, dessen Entstehung und erste Schritte von der nationalen Kraft und Frische Zeugnis ablegt, die trotz aller Pogroms im östlichen Judentum wohnen. Ich meine den jüdischen Kunstverein הזמיר. Jüngst fand eine Sitzung des vorbereitenden Komitees statt, um das Arbeitsprogramm des Vereins festzustellen. — Nach längerer Debatte wurde folgende Resolution angenommen: ״Der Verein ״Hasamir‘‘ hat den Zweck, die jüdische Kunst zu fördern und zu entwickeln, und die Kunst überhaupt zwischen den Juden zu verbreiten. In der ersten Zeit wird er sich nur mit Musik und Literatur befassen, und später seine Tätigkeit erweitern.“ Eine lebhafte Diskussion entwickelte sich auch über die Frage, in welcher Sprache auf der demnächst einzuberufenden allgemeinen Ver- Sammlung referiert werden solle. Schliesslich einigte man sich in folgendem Sinne: Eröffnung der Versammlung in jüdischer Sprache. Erstes, kurzes Referat hebräisch. Zweites, ausführliches Referat jüdisch. Wenn sich die Notwendigkeit heraussteilen sollte, noch ein drittes Referat polnisch. Der Verein hat, wiewohl er eigentlich noch gar nicht in die grosse Oeffentlichkeit getreten ist, schon 150 Mitglieder. Neue hebräische Zeitschriften Vom 1. Januar 1907 ab erscheint in Berlin ein hebräisches Wochenblatte unter der Redaktion von Dr. Simon Bernfeld. HeHrausgeberin ist dieselbe bekannte Gesellschaft, die soeben Ost undWest erworben hat. Das Erscheinen gilt für gesichert. Der Redakteur des HAZOPHE, L. F r i ed m a n n, erhielt die Erlaubnis, in Kiew ein Blatt המביט לישראל herauszugeben. Alfred Nossigs Schauspiel ״Abarbanel“ hat in der jüdischen Presse verschiedener Länder, besonders auch in Amerika, lebhaftes Interesse erweckt. Eine englische Uebersetzung des Dramas vollendet eben A. Lipsky in New-York, eine jüdisch-deutsche Uebertragung unter Beibehaltung der Versform Leon Herbert in Brooklyn. Eine polnische Übersetzung ebenfalls in rhytmischer Form ist im ״Rocziak Zydowski‘ erschienen. Nossings ״Jüdische Volksbewegung“ werden wir in nächster Nummer besprechen. Aufruf! Die Wiedererweckung eines Volkes ist bedingt durch die Wiedererweckung des nationalen Geistes. Der Geist eines Volkes spiegelt sich aber vor allem in dessen Sprache wieder. Sie trägt seine Physiognomie mit allen ihren Besonderheiten.