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Jüdische Rundschau · 1906-11-02 · 22 (2.11.1906) · p. Seite 182

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
II.1906
Issue
22 (2.11.1906)
Date
1906-11-02
Page
Seite 182 (sequence 6)
Language
German
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182 LITERATURBLATT No. 22 Töpferei und׳ Steinschmiedekunst standen in hohem Ansehen. Einzelne Gewerbe vererbten sich als Familienbesitz von Gesellschaft zu Gesellschaft. Die Skulptur, anfangs unbeholfen und naiv in ihrer Formgebung, war gegen den Ausgang des vierten Jahrhunderts schon sehr fortgeschritten zu irnmei freierer Linienführung. Der Handel mit Lebensmitteln und Manufakturwaren, der ׳sich, wie Tausende von aufgefundenen Briefen dartun, analog wie bei uns abspielte, beschränkte sich auf die Grossstädte. Als Börse diente das Tor, vor dem man zusammenkam und die Preise fixierte. Im Geldverkehr galt die Bestimmung, dass bei der Rückzahlung keine beschädigten Stücke angenommen wurden. Neben dem Handel war zur Zeit Hammurabis der Post- und Briefverkehr schon hoch entwickelt. Von Wissenschaften wurden namentlich die Astronomie und die Sprachen gepflegt. Das Gesetz des Hammurabi erwähnt ferner schon Aerzte, denen für jede gelungene Operation ein gesetzliches Honorar zugestanden, für jeden Missfall aber Strafe angedroht war. Das Spezialistentum scheint bereits in Blüte gestanden zu haben, denn die gleiche Gesetzesschrift nennt besondere Doktoren für Ochsen und besondere für Esel. Eine ״Dienstbotenfrage“ kannten die alten Babylonier nicht. Die Versorgung der Kinder war der Frau zugeteilt, deren höchste Tugend im Zuhausebleiben bestand. Der Vortrag, der viel Beifall fand, wurde durch ein interessantes und wertvolles Lichtbildermaterial belebt, Urchristentum und Altes Testament Leber diese Thema sprach am 18. Oktober bei der feierlichen Uebernahme des Rektorats der Universität Bonn der Professor der evangelischen Theologie, Dr. Eduard Grafe. Er zeigte, wie die Kirche die schwierige Aufgabe, sich die heiligen Bücher und die Schriften des Volkes Israels anzueignen, gelöst habe. Es war das nur möglich mittels einer allegorischtypologischen Erklärung der alttestamentlichen Texte, die auf ein geschichtliches Verständnis verzichtete und hinter dem Buchstaben einen tiefem Sinn suchte und fand. So wurde das Alte Testament zum Weissagungsbuch, das überall Vorausweisungen auf Christentum und die Christliehe Kirche enthielt. Zu gleicher Zeit verwertete man es als Erbauungsbuch und Fundgrube für sittliche Ermahnungen. Je länger je mehr betrachteten sich die Christen als das wahre Gottesvolk, das sich mit allen rPädikaten des alten Israel, dessen Geschichte seine Vorgeschichte war, schmückte. Trotzdem die Christen durch diese Beschlagnahme des Alten Testaments in einen heissen Kampf mit dem Judentum verwickelt wurden, haben sie allmählich immer mehr vom jüdischen W'esen angenommen. Das Alte Testament wurde förmlich eine auch für die Christen gültige Verfassungsurkunde. Nur der Gnostizismus hat gegen dieses ganze Verfahren Einspruch erhoben: die Kirche hat ihn aber zurü'ckgewiesen. Und mit Recht. Denn die unverkennbaren Mängel des kirchlichen Verfahrens werden überwogen durch den bedeutsamen Gewinn, dass auf diese Weise die reichen Schätze des Alten Testaments dem Christentum erhalten geblieben sind. Und nur so konnte der junge Glaube als alte ehrwürdige Religion in den Kampf mit den übrigen Religionen eintreten und seinen schnellen Sieg gewinnen!. War Gregor VII. jüdischer Abstammung? In einem historischen Aufsatz im Archiv io della R. Societä Romana di storia patria 1904 XXVII, 399 ff. ״Le familie di Anacleto II. e di Gelasio II.‘‘ sucht P. F e d e 1 e nachzuweisen, dass der Papst Gregor VII. als Angehöriger der römischen Konvertitenfamilie Pierleone, jüdischer Abstammung gewesen sei. Er stützt sich auf die Angabe der

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