Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- II.1906
- Issue
- 22 (2.11.1906)
- Date
- 1906-11-02
- Page
- Seite 184 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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184 LITERATURBLATT No. 22 Von diesen Erwägungen ausgehend, ist es unsere Pflicht, unsere Volkssprache, die hebräische Sprache, zu pflegen, denn in ihr liegt der Geist des Volkes. Die vielverbreitete Meinung, dass die hebräische Sprache tot sei, ist entschieden falsch, denn von der Zeit an, da unser Volk die alten erhabenen Werke in ihr schuf, bis über das Mittelalter hinaus, da ein Jehuda ilalevy sich ihrer bediente,, lebt unsere Sprache in einer grossen Literatui fort; mit Stolz blicken wir auf die Schriftsteller der letzten Zeit, wie Gordon, Smalensky, Bialik, Achad-fiaam und andere. Nur als Umgangsspräche ist sie seit langem verdrängt, und dem wollen wir wieder abhelfen. Zur Belebung des Volksgeistes, zur Befreiung unserer Sprache müssen wir uns vereinigen zur Schaffung eines Mittelpunktes, der alle Juden in seinen Bannkreis zieht, eines , Mittelpunktes, der alle' Gliedei unseres Volkes trotz ihrer verschiedenen Richtungen in sich einigt und ihnen ein gemeinsames Lebensideal gibt. Der geeignetste Mittelpunkt für dieses Streben ist ein hebräischer Klub. Dieser soll das Zentrum werden, um das sich alle unsere Brüdei sammeln können in dieser Zeit. Er kann Erhabenes wirken in unserem inneren und äusseren Leben. Er wird jene aufrecht halten, die schon unserer Sprache mächtig sind, und diejenigen aneifern, die sie noch nicht kennen. Diese Idee in Tat umzusetzen, ist eine der Hauptaufgaben, die sich der Zionistische Zentralverein in Wien gesetzt hat. Der Zionistsiche Zentralverein ruft diesen Klub als eine Sektion ins Leben und wird ihn in jeder Weise und mit allen Kräften unterstützen. An Euch ist es jetzt. Ihr Brüder, die Wichtigkeit dieser Unternehmung zu würdigen. Die Kenner der Sprache müssen dieses Streben durch ihren Beitritt fördern, doch auch׳ die Anfänger dürfen nicht fehlen. Die Mitgliedschaft des Zentralvereines enthält auch die Zugehörigkeit zum Klub. Brüder! Durch unsere Leiden haben wir den Wert des Volksbewusstseins schätzen gelernt, wir haben erkannt, dass Sprache und Volk eins sind. Unterstützet unser Streben, Sprache und Volk näher zu bringen, fehle niemand, der für beide Herz hat. bei unserem Werke! Wir wollen erwachen, um diese Idee zu stärken,, damit wir werden wie dereinst. Programm des hebräischen Klubs: 1. Täglich im Lesesaal des Vereines, IX., Türkenstr. 9, Konversation. Lektüre hebräischer Zeitungen. 2. Einmal wöchentlich literarischer Abend, respektive Konzert. 3. Aufführung hebräischer Schauspiele. 4. Vorträge über Literatur, Kunst, Geschichte und Zionismus. 5. Kurse für Anfänger. 6. Kurs für hebräischen Gesang unter Leitung eines jüdischen Kom• ponisten. 7. Herausgabe hebräischer Schriften. Anmeldungen nimmt der Zionistische Zentralverein in Wien schriftlieh und mündlich in seinem Lokale, IX., Tü'rkenstrasse 9, entgegen. Stifter ist, wer einmal 100 K; Gründer, wer durch drei Jahre 20 K; Mitglied, wer jährlich 4 K zahlt. Förderer (nur für Mitglieder anderer zionistischer Vereine) 2 K. Der Vorstand des Zionistischen Zentralvereins in Wien. Dr. .1. Margulies. AdolfBöhm, Präsident. Schriftführer.