Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- II.1906
- Issue
- 22 (2.11.1906)
- Date
- 1906-11-02
- Page
- Seite 179 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No. 22 LITERATURBLATT L79 türkischen Krieges, der diese Bestrebungen unterbrochen hatte, von neuem die Kolonisationsbewegung und es bildeten sich Organisationen und Zentren in Jassy, Bacau, Braila, Galatz, Mojneste und anderen Orten. Das Zentrum war in Galatz. Es galt Land zu kaufen und Pioniere voranzuschicken. In Russland waren die Judenverfolgungen der äussere Anlass, dass man an die Palästinakolonisation ging, und damit!von der Theorie zur Praxis schritt. Zwar gab es gewiss recht grosse Kreise, die sich nun van der Kolonisation Palästinas anstatt eines langsam zu erkämpfenden nationalen Werkes, an dem viele Generationen, arbeiten müssten, eine sofortige Lösung der Judennot ansahen, die infolge der Verfolgungen brennend geworden war. Im allgemeinen verstand man sehr wohl den Unterschied, zwischen einer späteren endgiltigen Lösung der Judenfrage und dem Suchen nach einem Asyl für die Flüchtlinge aus der russischen Judenverfolgung. Dritter Zeitabschnitt. Nicht als Augenbliekshilfe, sondern als Grundlage eines zukünftigen Judenstaates im Sinne einer endgiltigen Lösung der Judenfrage, dachten sich jene Männer ihre Tätigkeit, die im Jahre 1882 als erste Pioniere nach Palästina kamen und dort Land erwarben, 1wenn auch die Pogrome die unmittelbaren Anlässe in Russland geboten hatten. David Lewantin war der Abgesandte der russischen, Moscheh Dawid Jankowicz (genannt Scheib) aus Mojneste der rumänischen Juden. Gleichzeitig waren Abgesandte des Galatzer Zentralkomitees dort. Während diese ein arabisches Dörfchen Sammarin kauften am Abhange des Karmel in Samaria. und hier Zichron-Jaakob errichtetem erwarb Lewantin nach langem Umherirren Ajjün-Qärra, um darauf Rischon-1’ Zijjön zu gründen, während Schoub gleichzeitig auf den weithin sichtbaren Gipfeln des galiläischen Hochlandes den Grundstein legte zu Rosch-Pinnäh, neben dem arabischen Felsennest Dschä’üne, von der er einen grossen Teil der Gemarkung erwarb. Dies waren die drei Grundpfeiler, auf denen sich die Kolonisation aufbaute. Von besonderer Bedeutung war es auch, dass anderthalb Jahre später jüdische Obergymnasiasten und Studenten einen Verein Bilu gegründet hatten und im Jahre 1884 nach Palästina übersiedelten, um durch ihr Beispiel den russischen Juden einen sichtbaren Beweis zu liefern, dass die einzig mögliche Lösung der Judenfrage die Gründung eines Judenstaates in Palästina sei. Es war kein Unglück, dass sie übersahen, dass die Mühlen der Geschichte unendlich langsam mahlen, dass es zu einer Volkswerdung vieler Tausender von Anfängen bedarf, und dass erst aus vielen hunderten und tausenden kleiner und unscheinbarer Quellen und Zuflüsschen der Strom nationalen Lebens flutet, der unaufhaltsam seinem Ziele entgegembraust. Wie diese Studenten zwei Jahre lang im Freien kampieren, wie sie buchstäblich die Erde mit den Händen aufgraben mussten, und wie sie es doch erreichten, dass heute ihre Kolonie Katra (גדרה )eine Kolonie ist, die ohne fremde Hilfe auf eigenen Füssen steht, das gehört zwar in die Geschichte der zionistischen Bewegung, muss aber in dei blossen Skizzierung der Gedankenentwicklung des politischen Zionismus in