Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- II.1906
- Issue
- 22 (2.11.1906)
- Date
- 1906-11-02
- Page
- Seite 180 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/8295971-9045928-8238368--396-8190027- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
180 N0. 22 LITERATURBLATT den Hintergrund treten und der besonderen Geschichte der jüdischen Palästinakolonisation zugewiesen, werden. Em deutscher und ein russischer Jude hatten vornehmlich Pinskei zur Seite gestanden, als er mit seiner Autoemanzipation sich an die deutsch sprechenden Juden aller Länder wandte. L. Lilienblum wies in seiner ״Wiederbelebung des jüdischen Volkes in dem Lande seiner Väter,“ die gleichzeitig hebräisch und russisch erschien, an der Hand statistischer Daten überzeugend nach, dass speziell vom ökonomischen Standpunkte aus Palästina ein wirtschaftliches Vorzugsland sei und nocli viel mehr werden müsse, und dass deshalb für ein dauerndes Asyl in Pinskers Sinne einzig und allein Palästina in Betracht käme. Dr. Rülf, der Rabbiner in Memel war, aber seine ganze Lebenszeit niemals den echthessischen Judentypus in Sprach,© und Denkweise ablegte, schrieb einen glühenden Appell an die Juden und Nichtjuden ״Aruchas Bas-‘Ammi, Israels Heilung“, in dem er ebenfalls als einzige Lösung der Judenfrage die Restauration des Jüdischen Volkes in Palästina verlangt, mit der ausdrücklichen Forderung der staatlichen Suzeränität und Souveränität. Was :er fordert, fasst er schliesslich zusammen als: Wiederbelebung unseres Volkes, Wiederärneuerung unserer Sprache, Wiedervereinigung unseres Volkes und Wiederherstellung unseres Staates in unserem Stammlande Palästina. Da es in Russland den Freunden der Kolonisation und noch viel^wemger den bewussten und entschiedenen Vorkämpfern einer nationalen Regeneration des jüdischen Volkes nicht gestattet war, öffentlich sich zu organisieren, so fand im Jahre 1884 in Kattowitz, wo die drei kontinentalen Kaiserreiehc aneinander grenzen, eine erste zionistische Delegiertenver- Sammlung statt, an der Abgeordnete aus Deutschland, England, Frankreich, insbesondere aber aus Russland teilnahmen. Hier wurde ein Verband gegründet, der den Namen Montefioreverband annahm und dessen Präsident Dr. Lev Pinsker wurde. Unter den deutschen Delegierten standen Rülf und Prof. H. Grätz im Vordergrund. Als später von der russischen Behörde der ״Verein zur Unterstützung jüdischer Handwerker und Ackerbauer in Syrien und Palästina“ mit dem Sitze in Odessa gestattet wurdte, trat dieser an die Stelle des Montefioreverbandes. Gleiche Vereine zur Ko Ionisation Palästinas wurden in Berlin, London und schliesslich auch in Paris gegründet, sind aber alle mehr oder minder in der Praxis zu dem Prinzip gekommen, dass die Unterstützung einer kleinen Kolonisation mit geringen Mitteln ihre Tätigkeit erschöpfte. Trotzdem waren sie die einzige Organisation, in der sich alle nationaljüdischen Elemente vereinigten. Während in Russland die hebräischen Wochenblätter Tageszeitungen den Platz machten, oder sich zu solchen entwickelten, und der nationaljüdische Haj-jöm neben dem politisch-zionistischen Ham-Meliz es erreichten, dass Slcnimskys und Sokoloivs Haz-Zefirah gegen ihren Willen mit der palästinischen Richtung es wenigstens nicht verderben durfte, erschien in Deutschland nur das kleine Blättchen Freuthals ״Der Colonist“, das schon im Jahre 1884 rvieder einging. In England breiteten sich die Chowewe-