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Jüdische Rundschau · 1906-10-26 · 21 (26.10.1906) · p. Seite 175

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
II.1906
Issue
21 (26.10.1906)
Date
1906-10-26
Page
Seite 175 (sequence 7)
Language
German
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175 No. 21 LITERATURBLATT chen liegt nicht nur in der grossen poetischen Kunst, sondern zumeist auch in der Natürlichkeit der darin erzählten Geschehnisse. Ohne von Andlersen abhängig zu sein, hat M. Pfiitzner eigene und! von dichterischem Geiste durchdrungene Märchen gedichtet, die ebenfalls in ihrer Natürlichkeit und einfachen Darstellung von hohem erziehlichem Werte sein werden. Rezensent hat sie probeweise einem Kinde vorgelesen und zugleich die grosse Aufmerksamkeit und Spannung gesehen, mit der die kindliche Seele diesen Märchen folgt. Diese Märchen sprechen zur kindlichen Phantasie fern von allem Wunderbarem eine menschliche und kindliche Sprache und geben Vorgänge aus der wirklichen und nicht aus der eingebildeten Welt, e—rm Notizen Die Verödung Mesopotamiens. Seitdem der grosse Plan der sogenannten B a g d a d b a 11 n, deren Ausbau augenblicklich freilich in; etwas nebelhafte Ferne gerückt erscheint, aufgetaucht ist und besprochen wird ,spielt die Frage, ob Mesopotamiens Verödung Einhalt getan und in welchem Umfang seine einstige Kulturfläche, wiedergewonnen werden könne, von Zeit zu Zeit eine Rolle. Aber es sind noch zu viele Voraussetzungen zu erfüllen, bevor an den Versuch, Babyloniens alte Anbauflächen wieder unter Kultur zu bringen, ernstlich gedacht werden kann, und vorläufig geht der schon viele Jahrhunderte andauernde Verödungsprozess weiter. Wie dieser fortschreitet und durch welche Umstände er heute befördert wird, davon versucht im Septemberheft des GEOGRAPHICAL JOURNAL H. W. Cadoux auf Grund seiner Beobacntungen an Ort und Stelle eine Vorstellung zu geben. Bei Musseyib, in der Nähe der Stätte von Babylon, südlich von Bagdad, ist der Euphrat noch ein ungeteilter Strom, van fast 200 m Breite und bis 4 m Tiefe in der Trockenzeit, während er zur Schwellzeit noch um 3 m steigt. Gleich unterhalb Musseyib teilt er sich dann in zwei Arme, die sich erst bei Samawa. 170 km weiter, wieder vereinigen. Diese Teilung ist die Haupt- Ursache für die Verödung des Landes unterhalb Musseyib, und ganz gleiche Erscheinungen an anderen Stellen des Euphrat und auch del Tigris sind — natürlich neben der Entvölkerung Mesopotamiens — verantwortlich für den heutigen traurigen Zustand des ganzen Zweistromlandes. Sie sind wohl zumeist darauf zurückzuführen, dass die beiden Ströme viel Sanet und Schlamm mit sich bringen und damit ihr Bett solange erhöhen, bis das Wasser sich andere Wege sucht und dabei zum grossen Teil in Sümpfen verloren geht, ohne vorher Gutes gestiftet zu haben. Bei Musseyib nun verlässt den Euphrat der Hindiye, der ursprünglich wohl ein Bewässerungskanal war, schliesslich aber zum HauDtarm geworden ist. Lange Zeit bestand unterhalb Musseyib an der Teilung ein von der türkischen Regierung erbauter Damm, der bewirkte, dass ein Drittel des Euphratwassers dem alten Hauptbett verblieb, während zwei Drittel ziemlich nutzlos durch den Hindiye gingen. Die am eigentlichen Euphrat unterhalb Diwaniye wohnenden Araber benutzen jenes Wasserdrittel zur Berieselung ihrer Felder, verschwendeten es aber durch ihre Kanäle derart, dass das meiste nachher in die Sümpfe ging, so dass die Anwohner weiter abwärts überall ׳ Dämme (aus mit Lehm gefüllten Körben) über den Fluss ziener, mussten, um das wenige Wasser aufzuhalten. Dadurch aber versandet* das Flussbett noch mehr. Schliesslich brach im Juli 1903 der Damm bei Musseyib, nun strömte alles Wasser durch den Hindiye, und der Euphrat selbst erhielt seitdem nur ein paar Wochen, während der Schwellzeit etwas Wasser abwärts bis Hille (Stätte des alten Babylon), während" das Bett weiter unterhalb trocken gelegt wurde. Die geringen Kulturen sind also

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