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Jüdische Rundschau · 1906-10-26 · 21 (26.10.1906) · p. Seite 176

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
II.1906
Issue
21 (26.10.1906)
Date
1906-10-26
Page
Seite 176 (sequence 8)
Language
German
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176 No. 21 LITERATURBLATT dort dem Untergang geweiht, und wenn diese Verhältnisse noch einige Jahre andauern, wird die Ebene von Chaldäa ihr Opfer sein. Eine Geschichte der Frankfurter luden Der Vorstand der israelitischen Gemeinde hat. wie in letzten Ausschussitzung berichtet wurde, beschlossen, eine Geschichte der Frankfurter Juden herauszugeben und Professor Krackauer mit dieser Aufgabe betraut. Professor Krackauer hat von der Schulverwaltung des Philanthropins den nötigen Urlaub erhalten; die Kosten seiner Stell- Vertretung werden von der Gemeinde getragen. Zunächst sollen die Regesten von 1400 bis 1519 bearbeitet werden. Ferner wurde in der Sitzung mitgeteilt, dass zahlreiche Pläne für den Bau einer Westend- Synagoge eingegangen sind; eine Auswahl ist bereits getroffen. Die Toledaner Synagoge Vor kurzem musste über den Zusammenbruch im früheren Santa Cruz-Hospital zu Toledo berichtet werden. Heute wird die Aufmerksamkeit auf die noch immer ausstehende Restauration der Synagoge de! Transit® gelenkt, jener berühmten Aljama, die in dem alten .Judenviertel Toledos lag, nicht weit von einem andern jüdischen Tempel, der heute Santa Maria la Bianca heisst. Samuel Levi, der Bankier Peters des Grausamen, liess das Gebäude 1366 neben seinem Wohnhaus von Meir Addeli errichten, und seine Glaubensgenossen hielten hier bis zu ihrer Austreibung durch die katholischen Könige im Jahre 1492 ihren regelmässigen Gottesdienst ab. Dann kam e!s an den Calatrava-Ritterorden. der daraus eine dem hl. Benito geweihte Kapelle machte, worin später aber die hl. Jungfrau del Transite verehrt wurde; daher die heutige Bezeichnung. Als Bauwerk ist sie ein kostbares Exemplar der arabischen oder, richtiger gesagt, der andalusischmaurischen Architektur, der dritten und blühendsten Epoche des satazenisehen Kunststils. Sie ist aus Ziegelsteinen erbaut, die einen festen Stuck- Überzug zeigen, dessen Verzierungen mit zu den reichsten, elegantesten und originellsten ihrer Art gehören. Leider wurden sie bei der Umwandlung in ein christliches Gotteshaus arg mitgenommen und beschädigt. Ein Altarblatt bedeckte die Nische., worin der Rabbiner sass und: die Gesetzestafeln erklärte, und hinter hässlichen Heiligen und allerhand Tand verschwanden delikate Arabesken, die wie ein feines Spitzengewebe Verse der Psalmen und hebräische Inschriften umschlangen. Mehrere offene Bogen dienen dem Tempel als Fenster, und an den Wänden zieht sich ein breiter Fries von feinster maurischer Arbeit hin. Auch die Kapitale der Säulen sind sehr bemerkenswert. Dieser ganze künstlerische Reichtum verfiel unter dei Herrschaft habsüchtiger Kirchenfürsten, obwohl gerade die Toledaner Diözese über grosse Kapitalien verfügt. Angesichts der unaufhörlichen Klagerufe von Künstlern und Kunstfreunden fand sich dann endlich einmal eine Regierung, die die Aljama auf Rechnung des Staates übernahm und sie zum Nationalmonument erhob. Diese Erklärung hätte dem Staat logischer weise die Pflicht'auf erlegen müssen, sie zu restaurieren und sie vor dem Einsturz zu bewahren. Ein Anfang wurde auch gemacht; dann geriet aber alles wieder ins Stocken, und keiner deir vielen Unterrichtsminister, die mit so schönen und grossen Worten ihre Reden im!5arlament aiiszuschmücken wissen, hat durch die Tat bewiesen, dass er für dieses nationale Schmuckkästchen wirklich etwas übrig hat; keiner hat energisch eingegriffen, um ׳es endlich instand zu setzen! Und schon lauert die Kirche auf diesen Augenblick, um das Gebäude dann wieder für sich zu bean- Sprüchen und es — wie zurzeit die Kathedrale — als Sehenswürdigkeit finanziell auszubeuten! Und dabei werden Kommissionen eingesetzt, um den Touristenverkehr in Spanien zu heben!

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