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Jüdische Rundschau · 1906-10-26 · 21 (26.10.1906) · p. Seite 173

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
II.1906
Issue
21 (26.10.1906)
Date
1906-10-26
Page
Seite 173 (sequence 5)
Language
German
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No. 21 LITERATURßLATT 173 Literaturbericht Morgenländsiche Bücherei. Band 5. Im Reiche der önosis. Die mystischen Lehren des jüdischen und christlichen Gnostizismus, des Mandäismus und Manichäismus und ihr babylonisch-astraler Ursprung. Mit 20 Abbildungen. Von Dr. Erich Bischoff. Leipzig: Th. Griebens Verlag (L. Fernau) 1906. VIII. 147 S. 8. Nachdem wir erst vor wenigen Wochen die deutsche Ausgabe von Olcotts Katechismus des Buddhismus anzeigen konnten, die wir Bischoff verdanken, besprechen wir heute schon wieder eine Schrift des fleissigen Autors, aus der wir nicht minder reiche Belehrung empfangen. In vieler Hinsicht berührt sich die Schrift mit William Benjamin׳ Smith’ ״Der vorchristliche Jesus‘‘, wenn auch Bischoff natürlich seinem populären Zwecke entsprechend das wissenschaftliche Material ohne den wissenschaftlichen Apparat geben muss. In vier Abschnitten führt er nach einander aus den jüdischen und den christlichen Gnostizismus, den Mandäismus und den Manichäismus, deren auffällige Berührungspunkte in Bischoffs klarer und präziser Darstellung scharf in die Augen fallen, ׳um in einem fünften Abschnitt ihre gemeinsame Herkunft aus dem summer'scher Astralmythus darzulegen. Die Belesenheit Bischoffs, die wir bereits bei anderer Gelegenheit anerkennen konnten, hat sich auch hier wieder recht bewährt. Wenn Bischoff mit Recht die Katharer des südlichen Frankreich dem gnostischen Manichäismus zuweist, so geht er vielleicht zu weit, wenn er sagt, dass es seitdem keine wirklichen Manichäer mehr gegeben habe. Denn es scheint ,dass eine ganze Reihe der kleinen Sekten, von denen wir in Berlin so viele Proben haben, in ihren Lehren auffällige Erinnerungen an die Manichäer aufweist. Die Ablehnung der Sakramente dnreh die Heilsarmee, deren electi weder Taufe noch Abendmahl anerkennen, solche aber für die auditores mipne darke schalöm zulassen, gibt zu denken. Die Abneigung Manis gegen das Alte Testament war selbstverständlieh, viel verständlicher ais die der Kirchenlehrer, die unter gnostischem Einfluss den Judengott als Demiurgos zu einem König der Finsternis herabsetzen zu können glaubten, ohne dem Alten Testament seine Bedeutung als der Grundlage des Neuen zu nehmen. Bischoff will (S. 107) die ״altorientalischen“ Anschauungen auf die Summerisr zurückführen. Diese Anschaumig teilt er mit vielen Orientalisten, ohne dass es uns darum glaubhaft erscheint, dass diese vermutlich turanische Bevölkerungsschichte etwas anderes war. als eine ähnliche Episode in der babylonischen Kulturentwicklung als andere Eindringlinge , gleicher und ähnlicher Rassenzugehörigkeit. Aber damit tappen wir im Dunkeln. Und es muss einer späteren Zeit überlassen bleiben, diese Frage mit besserem Material zu beant- Worten,. Bischoff babyionisiert uns überhaupt zuviel. Joseph-Tammus ist uns bereits des Guten zuviel. Gewiss, aber gibt es auch im Alten Testament der Erinnerungen an altbabylonischen Astralmythus genug und bis in den. Ritus des Versöhnungsfestes scheinen solche Erinnerungen verfolgt zu sein, wenn aus dem ״Asasel‘‘ ein solcher Schluss gezogen werden darf. Nur wird der besonnene Historiker nie ähnliche Resultate anerkennen. Xvie die, zu denen Jensen in seinem Gilgamesch-Epos gelangt. Bischoffs neue Schrift, die gewiss nicht seine letzte bleibt, verdient gelesen und verbreitet zu werden. E 1 j a q i m.

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