Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- II.1906
- Issue
- 20 (19.10.1906)
- Date
- 1906-10-19
- Page
- Seite 167 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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/ No. 20 LITERATURBLATT lbv worden ist. Von Liebe zu Zion beseelt, dichtete Mane im letzten Lenz seines Lebens sein letztes Lied “״משאת נפשל und dieses einzige׳ Lied: würde ausreichen, sein Andenken in die vorderste Reihe der edelsten Ziansfreunde zu stellen. Wild alle seine Lieder ist auch dieses ein Produkt seines personliehen Empfindens. Wachend träumte er, das Klima Palästinas sei seinem Leiden heilbringend, was ihm auch ein Arzt, Prof. Eichwald hi Petersburg, bestäbgte; und während er in seinem Hedmatstädtchen an Auszehrung äahinsiiechte, sang er seine zarte Sehnsucht nach־ dem Lande seines Höffens m einer neuerstandenen Kolonie. Einfach, schlicht klangen seine Worte; sie drangen tief in die Herzen vieler Glaubensbrüder, ln nationalen Vereinen erschallt manchen Abend ■dieses. Lied:, das in verschiedene Sammlungen aufgenomnien ist. Der Dichter aber sah nicht seiner Sehnsucht Erfüllung. An eine Reise nach dem Osten liess sein Zustand nicht mehr denken. Er wusste, wie es mit ihm stand. Sein letzter Federstrich, drei! Tage vor dem Tode, galt seinem besten Freunde Samuel Czyz in Warschau. Am dritten Tage Sukcth 5647 (1886) starb der Dichter nach einem Leidensleben von 27 Jahren und 5 Monaten. Die gesamte hebräische Presse Ohrte sein Andenken. Literaturbericht Jüdischer Volkskalender für das Jahr 5667. V. Jahrgang. Jüdischer Buch- und Kunstverlag Brünn. Ein oberflächlicher Blick auf die Zustände unserer ״Literatur“ genügt, um die schwere künstlerische Zerrüttung derselben zu konstatieren. Wir sind! gewohnt, diese Tatsache als Widerspiel unserer abnormen Verhält• nisse anzusehen, aber es gibt Dinge, die man nicht so leicht hinnehmen kann, die totzuschweigen ein schreiendes Unrecht wäre, weil eine solche falsche Toleranz sich zum Mitschuldigen eines literarischen Raubes machen müsste. Um es kurz herauszusagen, unsere Kritik könnte ruhig, an dem vorliegenden Büchlein, das wir nun zum fünften Male auf unserem Büchermärkte begrüssen können,, vorübergehen, wenn sich darin nicht in geradezu kläglicher Weise literarisches Hochstapeltum breitmachte, Äbgesehen von 2 Ueber Setzungen Ernst Müllers und den Aufsätzen von Dr. Jeremias und Arthur Meierowitz —. den beiden letzteren kann man noch gerade die Note genügend zuerkennen. — stehen fast sämmtliche Arbeiten tief unter dem Durchschnittsmasse. Dass viele Artikel eine grundsätzliche Unkenntnis der deutschen Grammatik verraten, dass die Zusammenstellung des Kalenders einfach wahllos erfolgte, dass der Geschäftssinn des Herausgebers alles Qualitative in Quantitatives, d. h. in das, was man zählen und womit gezahlt werden kann, Umschlagen liess, wäre wohl hinreichend, um dieses Machwerk zu kennzeichnen. Aber das alles, genügt dem Herausgeber noch nicht, der Kalender enthält eine bewusste Fäls c h u n g. welche die Erbitterung und den Protest aller um unsere literarische Ehrenhaftigkeit Besorgten hierausfordern muss. Auf Seite 1*4 ist eine Uebersetzung einer Skizze des hebräischen Dichters M. Z. F e u e rberg abgedruckt. Der Titel derselben lautet: ״Die Schatten“. Wer Feuerberg nicht kennt und die vorliegende Skizze liest, wird ohne Zweifel erstaunt sein, wie man ein solches Gefasel zum Besitzstände der hebräischen Dichtung rechnen konnte. Abgesehen davon, dass die Uebersetzung ste‘- )enweise unrichtig ist. weil der Uebersetzej־ ein unzureichendes Feingefühl