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Jüdische Rundschau · 1906-10-19 · 20 (19.10.1906) · p. Seite 166

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
II.1906
Issue
20 (19.10.1906)
Date
1906-10-19
Page
Seite 166 (sequence 6)
Language
German
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LITERATURBLATT No. 20 16 » liebe Stille, diiie mir Trost bietet, dort blieb ich meinen kummervollen Gedanken ungestört überlassen.“ S'elbst diese Schwermut bringt ihm Genugtuung, ■sie trägt ihn in die Welt der Ideale und flüstert ihm Eingebungen zu. Einezweite Quelle der Eingbung für Mane ist die Natur. Die malerischen Beschreibungen, die in seinen Erzeugnissen ausgestreut sind, gehören zu den bestem Versuchen ihrer Art. In seiner Person vereinigte sich der Maler, der für alles Schöne ein offenes Auge hat, rnit derri tieffühlenden Poeten. Die Schönheit der Natur findet bei ihm mächtigen Widerhall in!der feinfühlenden Seele des- Malers und des Dichters zugleich. Im der Weltliteratur ist de Identität des Malers und Dichters meines Wissens nur einmal, bei dem Engländer Rossati, ■ vorgekommen. Mane’s literarische Tätigkeit beschränkte sich nicht auf Gedichte. Seine prosaischen Schriften reihen ,sich ihnen würdig an. Seine Prosa Ist speziell den schönen Künsten geweiht, wie die Titel dl er ■einzelnen Artikel auswe’sen: ״Die Kunst im allgemeinen und bei den Juden“, ,״Wesen und Aufgabe der schönen Künste ,Moritz Oppenheim oder ,die neue jüdische Kunstrnalt.üei“, ״.Die Augen und Physiognomik“, ״Lieber die Dichtkunst“ usw. Sie berühre,11 allesamt das Gebiet der Aesthetik, das in der neuhebräischen Literatur noch gar nicht vertreten war. Mane in seiner Eigenart stellte sich zur wichtigen Aufgabe, auch der Aesthetik einen gebiibrendkn Platz in der hebräischen Literatur ein zu räumen . Seine musterhaft korrekte Sprache war ein geeignetes Mittel dazu, er verstand es als erster auf diesem Gebiet, die volle Anerkennung aller Wissbegierigen zu gewinnen. ״In meinen Aufsätzen,“ schreibt Mane in einem Brief, ״bezwecke ich das eine: unsere Glaubensgenossen auch für die schönen Künste zu erwärmen und der Kunst unter dem jüdisch lesenden Publikum Boden zu schaffen. Viele von uns suchen noch immer in unserer Literatur das Nützliche, vorzugsweise was speziell mit jüdischem Leben und Geist in Verbindung steht, dabei vergessend, dass der Jude ebenso Mensch ist, und Kunst lind die Wissenschaft sein eigen nennen muss, die Gemeingut aller Menschen sind, wenn sie schon zu dem Judentum keine direkten Beziehungen haben.“ Mane plante Bedeutendes, er wollte etwas Ganzes auf diesem Ginbiet in hebräischer Sprache liefern. Das Geschick gönnte ihm die Ausführung seiner Absicht nicht. Mane, der Maler und Dichter, kannte Frauenliebe nicht. In seinen lyrischen GedicMun selbst ist der Frau nicht gedacht. Durch Güte, wahre Frömmigkeit und Sittenreinh,eit ragt Mane hervor; keine Mängel haften an ih.m, auf ihn darf an gewendet werden, was Heine von Jehuda Halsvi gesagt hat: ' ״Rein und wahrhaft, sonder Makel War sein Lied wie seine Seele!“ Mit edler Frömmigkeit und inniger Treue bubte Mane seines. Volkes heiligste Gitter; doch Lieder mit nationaljüdischer Tendenz schrieb er wenig. Zuletzt nur wendete siich seine Muse gen Osten. Er übersetzte ein herrliches Traumbild “״ מש״ה ב! דוד nach Frag, das die aufblühende Kolonisation Palästinas verherrlicht, und ^gerade diese ■ Uebertragung ist so originell, so rein klassisch, dass sie einer biblischen Dichtung ähnlich ge-

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