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Jüdische Rundschau · 1906-10-19 · 20 (19.10.1906) · p. Seite 168

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
II.1906
Issue
20 (19.10.1906)
Date
1906-10-19
Page
Seite 168 (sequence 8)
Language
German
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168 LITERATURBLATT No. 20 für die deutsche Sprache besitzt, ist in diem Kalender kaum der vierte Teil der Skizze, welche im hiebräiseben Originale 10 Grossoktavseiten umfasst, zum Abdrucke gebracht. Die deutsche Uebersetzung enthält nicht einmal die ganze Einleitung, das Zwiegespräch des Dichters mit den Schatten des Be'th-Hamidrascbs. Da!s eigentliche Thema wird mit keiner Silbe erwähnt. Niemand erfährt den Grundgedanken der Skizze, die Dar• Stellung des Kontrastes zwischen dem seelenvollen, entsagungsreichen Leben Reb Schleimer und des armen, hungernden, frierenden Juden, der todmüde im Bieth-Hamidrasch ein Nachtlager suchte und der öden Schwelgerei nächtlicher Prasser, welche in ihrer Lasterhaftigkeit kein Gefühl für die Leiden der Armen besitzen. Ich weiss nicht, ob den Uebersetzer oder den Redakteur, die Schuld an dieser — sagen wir freien — Verstümmelung trifft. Feuerberg war einer der Feinsten, Seelenvollsten, Phantasiereichsten und dichterisch Bedeutendsten unter den vielen mittelmässigen Begabungen der neuhebräischen Literatur. Sein leiderfülltes Leben — er wurde nur 24 Jahre alt — muss sio sehr das allgemeine Mitleid erwecken, dass eine solch rohe Verunglimpfung seines Andenkens unver- ׳stündlich bleibt. Was in aller Welt konnte jemanden veranlassen, Feuerberg in den Augen aller, welche die Hebräische Literatur nicht kennen, zu einem schwatzhaften Stammler zu degradieren? Die Absicht scheint mir, wenn ich die Sache recht verstehe', darauf abzuzielen, mit lieber־ Setzungen aus dem Hebräischen Eindruck zu machen. Aber Haiti Jeder Uebersetzer muss die Sprache, in welche er übersetzt, vollständig beherrschen und über ein nicht unbedeutendes Mass künstlerischen Feingefühles verfügen, um alle die Intimitäten der Dichterseele anzuempfinden. Vor allem aber muss die literarische Ehrlichkeit auf ihre Rechnung kommen. Wir dürfen uns nicht bereit zeigen, solche Offenbarungen von Inseratenagenten, wie den ״Jüdischen Volkskalender“, willig hmzunebemm Ein Künstler,, der wie Fenier berg so tief aest 11 e tisch empfand, dessen Schaffen jeder Lüge abhold war, muss gegen diesen Vandalismus in Schutz genommen werden. Für Sensationen ist bei uns ke|in Platz!, wir werden nicht dulden, dass die in den Schmerzen: des Golus geborenen Schöpfungen der hebräischen Literatur von minder feinen Skriblern geplündert werden. Hands off! Dr. Josef M e i s 1. Notizen judenverschwörung. Die interessante Abhandlung in No. 19 des Literaturbiattes erinnert mich lebhaft an: eine andere Episode aus der gleichen Zeit, bei der merkwürdigerweise wieder ein Augsburger Bürger die Hauptrolle spielt. Der Kürschner Augustin Weber in Augsburg wollte Im Jahre 1529 das neue Zion errichten und sich zum König .ernennen. Reichsinsiignien und entsprechende Kleidung batte er sich schon fertig stellen lassen. Seine Sendboten zogen von Stadt zu Stadt, zu Juden und Christen; ihrem Herrn berichteten sie dann, dass die Juden in Günzburg und Leipheim (:im bayerisehen Schwaben) der Angelegenheit das grösste Interesse entgegenbrächten; man beschloss daher, in Günzburg mit d!er Errichtung des Reiches, zu beginnen. Indessen sowohl Weber als auch׳ seine Genossen endeten auf der Richtstätte. (Uhlhorn, Urb. Regius, Elberfeld 1861. S. 309 u. 136 f. und No. 16.) Es ist bedauerlich, dass auch über dieses■ Vorkommnis nichts! Näheres zu erfahren ist. keine jüdische Quelle weiss darüber zu berichten. L. Lamm.

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