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Jüdische Rundschau · 1906-10-19 · 20 (19.10.1906) · p. Seite 162

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
II.1906
Issue
20 (19.10.1906)
Date
1906-10-19
Page
Seite 162 (sequence 2)
Language
German
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1(52 LITERATURBLATT No. 20 grünen Wiese sich auszuruhen, das lichte Blau des Aethers anzuschauen oder die reine klare Luft zy» ׳atmen!“ Im Herzen des Knaben aber steckte in frühester Kindheit schon ein Drang zum Schönen, und1 diesen Trieb, der tief in seiner Seele wurzelte, zu vernichten, war weder der ״Cheder“ noch das Herumziehen über die ״Jeschiboth ‘ imstande. Zeichnen, Malen waren des Knaben vornehmste Liebhabereien, und leigten Zeugnis ab für ein Talent, das niemand beachtete. Im Jahre: 1872 schickte ihn sein Vater nach Minsk zum Eintritt ln eine der städtischen Jeschibotin Der vierjährige Aufe! thalt in dieser Stadt bildet das •dunkelste Kapitel seiner Biographie. Hier musste e;r di!e bitterste materielle Not erdulden, auch die! moralische in der Verfolgung seitens der Eiferer, die jede eigenartige Regung zu ersticken suchten, selbst jede Freude am Licht und au freiem Wissen als• bedenklich betrachteten. An diese vier Jugendjahre, die ihn körperlich schwächten und geistig ohne Nutzen für ihn blieben,, denkt Klane mit grösstem Schmerz zurück. Im Jahre 1876 kehrte er mit dem festen Entschluss heim, die ״Jeschibc-th“ ferner zu meiden. Was sollte aber nun werden? Wohl wussten die Kleinstädter, dass der Knabe ein angeborenes Talent zur schönen Kunst besitze., doeh keiner vermochte anzugeben, wie es zur Entfaltung und Geltung gebracht werden könne. Was sollte auch ein ״Orem Boehiui“ mit Talent anfangen? Endlich kam der Vater auf den Gedanken, den Sohn wegen seiner schönen Handschrift und Zeichenfertigkeit der armseligen Piofessicn eines ״Ssofer“ zu widmen. Er meldete ihn zu ׳diesem Zwecke bei; den ״Ssofrim“ des Städtchens an. Glücklicherweise waren diese von ungewöhnlicher Einsicht, wahre Fackelträger von Licht und Wissen im - Städtchen. Sie wiesen die Anmeldung' mit der Erklärung bestimmt zurück, ihr Beruf wäre ein früher Tod für das angeborene Talent des Jünglings. Sie gaben den guten Rat, der Junge möge nach Wilna gehen, wo neben den Jeschiboth eine Zeichenschule bestände, in die er mit Hilfe guter Leute Einlass finden könne. Der 17jährige Knabe, griff wieder zum Wanderstab. Ohne Mittel und ohne Bekanntschaft zog er nach Wilna. Sind׳ d'em ,,Orem ׳Bochiur“ alb Wege,, alle Eingänge gesperrt, die Pforten einer ״Klaus“ sind ihm stets offen, und so fand auch Mane in einer ״Klaus“ in Wilna für die erste Zeit Unterkommen. Durch sein fleissiges Studium der Genioro und durch Redlichkeii gewann er bald die Zumeigüng des Rabbi Herschcl Lewin aus Wolosin und anderer Männer. Mit deren Unterstützung besuchte er die Zeichenschule. Den Uinterrfcht störte anfänglich seine völlige Unkenntnis der russischen Sprache. Ein ״Orem Boehur“ kriegt aber alles fertig. Er fing an, die russische Sprache eifrig zu priemen. Leicht war es durchaus nicht, zumal der Jüngling den Besuch der Zeichenschule wie das Erlernen der Landessprache verheimlichen musste, aus Furcht vor den Eiferern, die ihm dafür die Frei tische entzogen hätten. Der Arme musste Tag um Tag an einem anderen Tische speisen. Bei alledem trieb der Jüngling auch das; Studium der hebräischen Sprache und der Bibel mit seltenem Flei&s. In dieser Beziehung war gerade Wilna, die Metropole der jüdischen Intelligenz,.

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