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Jüdische Rundschau · 1906-10-11 · 19 (11.10.1906) · p. Seite 155

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
II.1906
Issue
19 (11.10.1906)
Date
1906-10-11
Page
Seite 155 (sequence 3)
Language
German
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No. 19 LITERATURBLATT 15g haupten wird. Seine erste Sammlung ״Dornen“ wird׳ hoffentlich auch der Materielle Erfolg nicht ausbleiben, umsomehr als. sie geeignet ist, eine ge- Lunde Kritik in satirischer Form in weite Kreise hiineinzutragen, die politischer Propaganda unzugänglich sind. Ganz besonders unseren Freunden empfehlen wir die Jungmannsche Sammlung aufs wärmste. Sie sollten ihre weiteste Verbreitung in unseren eigenen und in anderen jüdischen und nichtjüdischen Kreisen sich recht angelegen sein lassen. H. L. . Judenverschwörung Die Nichtjuden haben es niemals begreifen können, dass das jüdische Volk nicht jede Gelegenheit mit Eifer ergreifen sollte, um seine Freiheit wiederzuerringem. Es gibt kaum eine Periode der Geschichte seit der Zer- Störung Jerusalems, in der das nicht der Fall gewesen wäre. Natürlich je mehr das Judenvolk unterdrückt wurden, umsomehr glaubten seine Unterdrücket־ an die glühende- Sehnsucht des Volkes nach Befreiung'. So entstanden die merkwürdigen Fabeln von der Verschwörung der Juden mit den Mongolen zur Zeit der grossen Tatarenstürme. Matthaes Paris berichtet über eine merkwürdige Zusammenkunft, welche die deutschen Juden!insgeheim abgehalten hätten, um mit Hilfe der eingeschlossen gewesenen zehn Stämue״ wofür man die Tataren ansah, Palästina zurückzuerkämpfen. ״Erierunt namque fratres nostri, tribus scilicet Israel quondäm inclusae, ut subdant sibi et nobis mundum Universum.“ Für das Jahr 5000 (1240/41 nach Christo) erwarteten die Juden aller Länder die Ankunft des Messias. Da brachte man diese Hoffnungen mit den Tatarenstürmen zusammen und konstruierte die lächerlichen Judenverschwörungen, wie sie Matthacus Paris und andere Chronisten konstruierten. Ganz ähnlich waren die Zeitungen, die am Ende des 16. Jahrhunderts die europäisch-christliche Welt interessierten, als man im Jahre 1596 meldete, dass ״drey Legion rothe Juden — aus dem Gebirg Caspis — hinter dem rothen Meer — jetzund gerüst herfü'r kommen — ... — die wollen mit Heeres krafft Jerusalem —- vund das g'antze Jüdische Land wieder gewinnen vnd einnemen.“ Wenn auch der angebliehe Versuch Moritz’ von Sachsen, für sich in Amerika ein Judenreich zu gründen, dessen König er sein wollte, in das׳ Reich der Mythe zu verweisen ist, so hat es doch an salchen Versuchen auch christliche rseits nicht gefehlt. » In der Autographemsamrnlung des germanischen Museums zu Nürnberg (V, Phi 10sophen־Wi 1 heiminus) befindet sich ein Autogramm über ein solches Projekt, aus dem Jahre 1540, über das leider ausser diesem merkwürdigen Schriftstück selbst nichts weiter sich feststellen lässt. Genaues hierüber sowie der hier abgedruckte Text findet sich in den Mitteilungen aus dem germanischen Nationalmuseum, herausgegeben vom Direktorium, Jhrg. 1894, Nürnberg' 1894, Seite 102—104. Die Aehnlichkeit dieser Darstellung mit der bei Matthaeus Paris berichteten Judenverschwörung von 1240 ist so gross,

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