Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- II.1906
- Issue
- 18 (14.9.1906)
- Date
- 1906-09-14
- Page
- Seite 150 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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150 LITERATURBLATT No. 18 Briefs über ein fehlendes Tempelsiegel, das wahrscheinlich zu Fälschungen benutzt worden ist. Die damit gesiegelten Briefe waren, wie Dr. Grenfell annimmt, an einen Marietho gerichtet, der mit dem berühmten ägyptischen Geschichtschreiber, dem Priester von Sebennytos, identisch ist. Der Priester Manetho muss, da der gefälschte Brief vom sechsten Jahre des Euergetes (247—221 v. Chr.) datiert ist, entweder damals sehr alt gewesen sein, da man sein Wirken in die Zeit des Philadelphos (285—247 v. Chr.) setzt, oder die Fälschungen mit dem gestohlenen Siegel waren vor dem Datum des Briefes vorgenommen. — Am wertvollsten für die alte Kulturgeschichte scheint aber ein Dokument aus Oxyrbynchos zu sein, ein Blatt aus einer Art Postbuch eines Briefträgers, worin dieser bescheinigt, ausser anderen Dingen abgeliefert zu haben: eine Papyrusrolle an den Antiochus aus Kreta, eine an den König, zwei Briefe' an den Distriktsverwalter Apollonios: auf solcher Postkulturhöhe war selbst das Dorfleben im ptolemäisehen Aegypten. Nicht minderes Interesse bietet die Ausstellung der von John Garstang und Harold Jones für die Universität Liverpool gemachten Ausgrabungen im Lord Derby Public Museum zu Liverpool. Die zu Kostamneh in Nubien gefundenen schwarz-roten Töpfereien mit Flechtwerkdekoration, die man bisher als für die ägyptische Dynastie charakteristisch angesehen hat, lassen an Nubien als Heimat der ägyptischen Dreinwohner denken — falls man Töpfereien als Datierungsanhaltspunkte nicht überschätzt. Zu Dakkeh (Pselchis) fand Garstang auch ein unberührtes Steinkammergrab mit Dach und Beigaben aus der achtzehnten Dynastie: aber die Leiche lag in der prähistorischen Hockerstellung, ein Beweis des sporadischen Fortlebens gewisser uralter Sitten und Gebräuche. 7000 Jahre sind an diesen Gegenden spurlos vorübergegangen: neben einem Tonmodell aus einem Grabe, das eine mit einem flachen Stein Brot formende Frau darstellt, sieht man die Photographie eines modernen Fellahweibes, das ganz genau auf dieselbe Weise ihr Brot herstellt. Kupferwerkzeuge, Elfenbeiinknochen, Armbänder, ein Elfenbeinkamm mit geschnitzten Figuren aus Kostamneh, ein LapislazuliKopf aus Hierokonpolis, zu einem im Ashmolcan-Museum gefundenen sitzenden weiblichen Körper genau passend, sind aus der ersten Dynastie. Aus Abydos stammen an Geldesstatt dienende Goldringe, Skarabäen aus der Hyksoszeit, das Grab des Kanzlersohnes Khensu u. a. m. Photographien von Reliefs des Ramesiseum mit charakteristischen Hettitergestalten zeigen diese Feinde der Aegypter mit ihrem Zopf. ־— Unter den Tongegenständen aus Esneh sind solche aus der Hyksoszeit und dem vorausgehenden mittleren Reich zu erwähnen, die Häuser, darunter eines von ganz eigenartigem Typus nach dem Tode dar ääj darunter eines von ganz eigenartigem Typus, Speicher und Gegenstände für das. gute Leben nach dem Tode darstellen. Von hohem künstlerischem Wert ist ein ruhender Hund. Griechische und koptische, alle mit Namen bezeichnete Grabsteine aus der christlichen Zeit (200 bis 300 n. Chr.) in Altarform, mit kleinen Vertiefungen für Opfergaben zeigen das Fortleben pharaonischer Gebräuche im Christentum, soweit sie sich auf die ägyptisehen deen vom Leben nach dem Tode beziehen. Die neue Preisaufgabe der Akademie der Wissenschaften Die preussische Akademie der Wissenschaften hat folgende1 neue Preisaufgabe gestellt: ,״Es sollen die Typen und Symbole der altorientalischen Kunst verfolgt werden. Eine Beschränkung auf eine Anzahl der wichtigsten Symbole (zum Beispiel die geflügelte Sonnenscheibe, Sonne und Mond, Henkelkreuz, gekrönte und Flügelgestalten, Gottheiten, die auf Bergen oder Tieren stehen, wappenartige Anordnung von Tieren, nackte und bekleidete