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Jüdische Rundschau · 1906-09-14 · 18 (14.9.1906) · p. Seite 149

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
II.1906
Issue
18 (14.9.1906)
Date
1906-09-14
Page
Seite 149 (sequence 5)
Language
German
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LITERATURBLATT 149 No. 18 Der ״Unionkalende •' ist bekanntlich der einzige jüdische Zeitweiser, welcher zugleich einen wertvollen Führer durch die österreichisch-ungardschen Kultusgemeinden bildet. Auch in dem neuen Jahrgange ist der Schematismus über den Personalstand und die Einrichtungen aller Kultusgemeinden des Reiches, ferner aller jüdischen Vereine mit der grössten Genauigkeit und Sorgfalt zusammengestellt worden. Durch die Neuaufnahme der rituellen Speisehäuser (Koschergasthäuser) erhält der Kalender auch für unsere reisenden 'Glaubensgenossen einen erhöhten Wert. Der literarische Teil erhält ein besonderes Lustre durch eine glänzende Erzählung aus den jüngsten Frei• heitskämpfen in Russland aus der bewährten Feder Julius Uprimny’s. Die Erzählung trägt den Titel “Auf der Barrikade“ und liest sich in ihrer Plastik und spannungsvollen Dramatik wie ein unmittelbar aus der Zeitgeschichte gegriffenes Stück Leben. — In einem ausgezeichneten, das 1.״ udentum als .Kulturwert“ betitelten Essay bekämpft Herr Rabbiner Dr. Simon Mandl in wärmster Weise die von Huston Stewart Chamberlain verkündete Theorie, dass Humanismus und Judentum unvereinbare Begriffe wären. Der geschmackvoll gebundene ״Unionkalender“ ist vom Bureau der ״Oesterreichisch-Israelitischen Union“, Wien 9, Universitätsstrasse 8, und allen Buchhandlungen zum Preise von 1,60 Kr. zu beziehen. Notizen Ausstellung ägyptischer Funde in London und Liverpool In der Ausstellung der im letzten Jahre zu Oxyrhynchos und Hibeii (Hipponon) gefundenen Papyri, die der Egypt Exploration Fund zurzeit :n London in Kings College: veranstaltet, sind jetzt Papyri rekognosziert, die in dem Fundbericht noch nicht aufgeführt werden konnten. Es findet •sich da,wie das Athenaeum vom 28. Juni berichtet, ein Fragment der ״Gnomai“ des Epicharm oder vielleicht eher aus Axiopistos, der seines Vorgängers witzige und epigrammatische Sentenzen gesammelt zu haben scheint. Leider enthält das Fragment nicht eigentlich eine Originalsentenz, sondern nur die Ankündigung, wenn man, bei Hof oder in einer Versammlung spricht, über einen Schuft oder einen Ehrenmann, einen Fremden, einen Renommisten, einen Trunkenbold oder einen Flegel (wir sehen also, wie bei Epicharm im Beginn des fünften Jahrhunderts die Charaktere der mittleren und neuen Komödie schon auftauchen!); denn auch für diese sind hier Antriebe.‘ Ausser den früher erwähnten Fragmenten des Oineus und der Tyro des Euripides zeigt sich jetzt auch ein solches aus dem Kroisos des Philemon, der wahrscheinlich das Vorbild zu Plautus Aulularia abgegeben hat. Eine Abhandlang über Musik, die wohl von Hippias, dem Sophisten von Elis herrührt, deklamiert polemisch gegen die Ansicht, dass verschiedene Arten von Mus!i!k auf die Moral zu wirken imstande seien; z. B. seien die Aetolier und andere, die das diatonische System gebrauchen, viel tapferer als die Tragödiendichter, die doch unharmonische Melodien gebrauchen, von denen angenommen sei, dass sie Mut einflössen. Unter den Ptolemäisehen Dokumenten ist auch eine Korrespondenz über einen Streik. Am interessantesten scheinen

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