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Jüdische Rundschau · 1906-09-14 · 18 (14.9.1906) · p. Seite 148

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
II.1906
Issue
18 (14.9.1906)
Date
1906-09-14
Page
Seite 148 (sequence 4)
Language
German
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48 LITERATURBLATT No. 18 Literaturbericht Zionisten und Territorialisten. Vortrag, gehnlten in Antwerpen im Aufträge der Belgischen Zionistischen Landesföderation von Ludwig Mer-!ander. Preis 30 •Zent. Verlag ״Hahllwoh“, Antwerpen. Jeder ehrliche Zionist kann nur wünschen, dass zwischen Zionismus und Jto möglichst bald eine reinliche Scheidung stattfindet. Jede Verquickung des Zionismus mit Bewegungen der Jto kann demselben nur schaden und zur Verwässerung desselben führen. Merlander hat das Verdienst, mit seinem Vortrage präzis auf die unerträglichen Gegensätze zwischen Zionismus und Jto hingewiesen zu haben, und es ist sehr dankbar zu begriissen, dass der geistvolle Vortrag gedruckt wurde und dadurch von möglichst Vielen gelesen werden kann. Merlander wirft, den Territoriaüsten vor, dass sie der Fahne nicht treu geblieben sind; Zangwilt hätte innerhalb des Zionismus für seine Ansicht Propaganda machen und sich bestreben können, die Minorität ,in eine Majorität umzuwandeln. Bei ihrer Selbstgektaltung ist die Jto aber völlig vom nationalen Programm abgekommen, weil Herr Zangwill alle Konzessionen machte, die nötig waren, um mit Assimilanten und Nichtjuden zusammen zu seiner Gründung gelangen zu können. Artikel 1 der Konstitution der Jto bestimmt nämlich, dass die Mitgliedschaft jedes Zweig- Vereins der Jto in der ganzen Welt, obgleich in erster' Linie für das jüdische Volk bestimmt, offen für Personen jeder Rasse und jeden Glaubensbekenntnisses. Nichtiuden können demnach sehr leicht die Mehrheit der Jto bilden und sie werden beschliessen, was mit dem jüdischen Volke geschehen soll. Sie ist. nicht einmal eine jüdische Organisation, geschweige denn eine jüdisch-nationale. Was die Autonomie in dem von der Jto zu gründenden Judenstaat anlangt, so soll sie keine andere sein, als wie sie in englischen Kolonien gegenüber ihrem Mutterlande bestehe. Die ganze Natur der Jto beruht mehr auf einem englischen Interesse, als auf Anteilnähme, an der Judenfrage. Man will auch nicht alle auswanderriden Juden, sodern nur die Wohlhabenderen, weil es im englischen Interesse liegt, nur die wirtschaftlich Tüchtigen für das unkultivierte Territorium zu gewinnen. Die Jto ist demnach nichts weiter wie eine interkonfessionelle Wohltätigkeitsbestrebung. Als solche hat sie Anspruch auf unsere Sympathien, jeder Zionist kann sich an ihr beteiligen, der an ihren Erfolg glaubt. Dagegen muss man ihr Gegner sein, wenn sie unter falscher Flagge segelt, wenn sie sich für eine Nationalpartei ausgibt, um dem Zionismus , die Anhänger abspenstig zu machen. Die Jto muss bekämpft werden, wenn sie sich für eine Reform des Zionismus ausgibt und die Kühnheit besitzt, zu behaupten, die wahre Erbin Herzls sei sie.• Da der Erfolg der Jto zweifelhaft ist. so muss schon heute der Untiei schied zwischen Jto und Zionismus scharf hervorgehoben werden und durch den Misserfolg der Jto darf der Zionismus nicht kompromittiert werden nicht seine Ideen dürfen alsdann für bankerott erklärt werden. . W. H. Aus: FRANKFURTER ISRAELITISCHES FAMILIEENBLATT. . Soeben ist der neue Jahrgang des von der 0״ e s t e r r e i c h i s c h. Israelitischen U n i 0 n“ herausgegebenen ״Kalenders für Israeliten“ erschienen, welcher die Vorzüge dieses׳ in Amt und Familie bereits weit verbreiteten Nachschlagebuches aufs Neue bewährt,

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