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Jüdische Rundschau · 1906-09-14 · 18 (14.9.1906) · p. Seite 147

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
II.1906
Issue
18 (14.9.1906)
Date
1906-09-14
Page
Seite 147 (sequence 3)
Language
German
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No. 18 LITERATURBLATT erfolglos geblieben. Dass Jerusalemer Juden im Jahre 1879 es« Stück Land erwarben und darauf den ersten Kolonisationsversuch machten —>• das schmerzensreiche Peiach-Thikwäh — war ein direkter Erfolg seiner Jätigkeit. Aber nicht minder geht auf seine Anregung der erste Versuch zurück, den rumänische Juden im Jahre 1877 unternahmen, eine Kommission zum Landkauf nach Palästina zu entsenden. Der plötzliche Ausbruch des russisch-türkischen Krieges zwang die Kommission, die sich gerade auf den Weg machte, umzukehren und ihr Vorhaben auf einige Zeit aufzugeben. Die eigentliche Schöpferin des Palästinagedankens im Osten war aber die hebräische Sprache, so wie im Westen, besonders in Deutschland! die Nationalidee aus dem Geschichtsstudium hervorgegangen war, und der eigentliche Träger und Apostel Hess’scher Gedankenkreise und Kalischer'־ scher Anregungen wurde jener Perez Smolenskin, dessen einen wichtigen Platz in der Geschichte ,der neuerwachenden hebräischen Literatnrsprache einnimmt. Mit feurigen Worten und in markigen Zügen wies der totkranke Mann die russische Judenheit auf die Geschichte der Juden hin und während Jehudäh Leib Gordon in seinen hebräischen Dichtungen damals noch etwas Aehnliches träumte, wie es die deutschen Reformer vor ihm ins Werk gesetzt hatten, rief er seine Landsleute zum Nationalismus auf und warnte sie vor dem blinden Vertrauen zum Fortschritt. Es zeugt von einem merkwürdigen Scharfblick, dass in dieser Zeit, wo alles so aussah, als würden die Russen eine Konstitution, die Juden aber alle Freiheiten erhalten, Smolenskin aufstand als ein ernster Warner und den Juden zurief, sie sollten bei Zeiten für Hilfe sorgen, die viel eher notwendig würde, als sich die bösesten Pessimisten etwa träumen Hessen. Er sagt die blutigen Verfolgungen, die wenige Jahre später zum ersten Male einsetzten, vorher. Alexander Zederbaum in seinem המלי*י bekannte sich zum gleichen nationaljüdischen Bekenntnis. Die Kolonisationsidee hatte bereits in Rumänien, die nationale Idee in Russland weite Kreise ergriffen, als der äussere Anstoss hinzukam, der dm Bewegung einen neuen Anstoss geben sollte. Ein ähnlicher Anlass hatte in Deutschland wie ein Frühlingsreif sich auf die überall in de« sechziger Jahren hervorkeimenden Zweiglein gelegt und über Nacht, die ganze bereits beginnende nationale Bewegung eingesargt. Der Antisemitismus, der in Deutschland seinen Ausgang nahm, wirkte wie ein eisiger Hauch auf die ersten Reiser, die sich herausgewagt hatten. Die Furcht vor dem Antisemitismus trieb Tausende in die Hände der Kirche, die nicht ohne Grund sich eben in allererster Reihe an dieser Judenhetze beteiligte. Jetzt wurde in Deutschland alles Jüdische nur noch' danach burteilt, was die Antisemiten dazu sagen würden. Mit dem schönen Beginn der aufkeimenden Saat aus Hess’schen Gedanken und Grätz’schen Geschichtserinnerungen war es zu Ende. In Deutschland entstand ein Bruch, (Fortsetzung folgt.) |;|f

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