Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- II.1906
- Issue
- 17 (10.8.1906)
- Date
- 1906-08-10
- Page
- Seite 141 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 17 LITERATURBLATT 141 Die Mosaik־Karte von Madeba Aus Jerusalem wird der FRANKFURTER ZEITUNG geschrieben: Im Verlage des Deutschen Vereins zur Erforschung Palästinas ist der erste Teil einer Reproduktion der berühmten Mosaik-Karte von Madeba erschienen. Die Zeichnung hat Architekt P. Palmer in Jerusalem gemacht, Prof. Dr. G u t h e - Leipzig׳ schrieb die Erläuterung zu den 10 Tafeln, die 1/e Grösse des״ Originals haben. Die Karte, die das Kunstwerk in möglichster Treue wiedergibt — für den Druck waren über 70 lithographische Platten nötig, um die Farbentöne des Mosaiks nachzuahmen — wird der Wissenschaft im Lauf der Jahre den! Dienst leisten, das Original zu ersetzen, da dessen gänzlicher Verfall vorauszusehen ist. Vielleicht interessiert es Ihre Leser״ Näheres über die- Mosaik-Karte zu erfahren. Madeba liegt östlich von Jericho i!m: Ostjordanland. Es war ursprünglich moabitisch und kam später zum Stamme Rüben. Zur Zeit ümris gehörte ׳es den Juden, im 9. Jahrhundert wieder den Moiabitern, bis die Araber es! in Besitz nahmen. In christlicher Zeit war es ein Bischofssitz. Seine jetzige Bedeutung verdankt es der dort auf gefundenen Karte. G 0 0 dir ich-F r e3׳.r schreibt in ״In a Syrian Saddlle“ darüber: ״Die Piece de resistance von Madeba. das Ziel der Gelehrten ist, das berühmte Mosaik — die Madeba- Karte —■ welche 1884 entdeckt, der Oeffentliichkeit bis 1897 unbekannt war. Die Karte umfasst Palästina und! einen Teil Unter-Ägyptens. An den Ecken ist das Mosaik vielfach beschädigt und zerbrochen, die Karte ist dadurch verkleinert worden. Gegenwärtig dient sie als Teil des Fussbodens der griechischen Kirche in Madeba, aber voraussichtlich wird sie, wegen! ihres Wertes, und weil sie vielleicht die älteste existierende Karte Palästinas! ist, mit Glas bedeckt werden.“ Die verschiedenen Farben, die mehr mit Rücksicht auf die■ Wissenschaft als auf die Kunst arrangiert wurden, sind noch! so frisch ^vie am Tage, als sie; gelegt worden sind. Pater Cleopas, ׳ein griechischer Priester, der. obwohl das Mosaik im Orte schon 13 Jahre bekannt war, als der Entdecker der Karte genannt wird, beschreibt sie folgendermassen: ״Der Künstler gab sich nicht zufrieden, einfach die Namen der Städte anzugeben, sondern er zeigte vielmehr mit peinlichster Sorgfalt Form, Gestalt und Plan jeder wichtigen Stadt; ferner, wie viele Türen und! Tore׳ die Stadt hat, ob die Tore östlich oder westlich liegen, dann, welche wichtigen Gebäude sie enthält, sowie deren Stilart. Man ersieht weiter den früher gebräuchlichen wie den jetzigen Namen jeder Stadt״ man sieht, wo sich Hügel und Ebnen befinden, wo Flüsse, ,Bäche, Wälder; wo׳ kalte und wo heisse Quellen, wo Teiche und Seen sind, wo Palmen und wo Bananen wachsen. All dies ist in dien entsprechenden Farben genau auf der Karte verzeichnet.“ Der. eigentliche Entdecker des! Mosaiks war ein griechischer Mönch, dessen Namen vergessen ist Im Jahre 1884 machte er dem׳ griechischen Patriarchen Mitteilung, der jedoch dem! Funde keine Beachtung schenkte. Der Patriarch, der später nach Konstantinopel verbannt wurde, erhielt in dem Patriarchen Gera sinn os einen Nachfolger, der 1890, sechs Jahre nach der ersten Entdeckung des Mosaiks, den Brief des Mönchs fand und sofort einen Architekten mit der Weisung absandte, das Mosaik in der Kirche,, die m Madeba errichtet werden sollte, als Bodenbelag anzubringen. Vier Mönche; bezeugten, dass zu dieser Zeit das Mosaik fast vollständig war. Leider ging man bei der Umlegung des Mosaiks nicht gewissenhaft zu Werke. Man brach, eines Pilasters halber, einen Teil ab und Hess auch viel vom Rande, der reichen! biblischen Bilderschmuck aufwies!, fallen. Der Architekt kehrte nach erfolgter Verstümmelung der Karte mit der