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Jüdische Rundschau · 1906-08-10 · 17 (10.8.1906) · p. Seite 140

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
II.1906
Issue
17 (10.8.1906)
Date
1906-08-10
Page
Seite 140 (sequence 4)
Language
German
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140 LITERATURBLATT No. 17 für den ersten Minister und Vertrauten einer der beiden israelitischen׳ Könige Jerobeam halten, vielleicht Jeroheams II. (etwa 783 bis 743). Noch ein Wort über die Skelette und ihre Bestattung, die wohl das Interessanteste in Megiddo bietet. Abgesehen von den ägyptischen; Grabkämmern und den in der Nähe des Teils liegenden Höhlengräbern sind׳ die Toten meist einfach in die Erde gelegt, oft mit angezogenen Knieen. In der Regel findet man das Skelett umgeben von einem Steinkreis, in dessen Mitte Krüge, Schüsseln und dergl. mit Resten von Speise und Trank stehea. Da derartige Gefässe auch bei Flauen und Mädchen gefunden werden, so dar! diese Totenspeisung nicht ohne weiteres mit dem Totenkultus identifiziert werden. Für diesen vielmehr waren besondere, tief ausgemauerte Opfergruben bestimmt, in denen oft Asche, Kohlenreste und Tierkinochen lagen. Bemerkenswert ist, dass derartiges Inventar des Totenkultus nur bis zur Zeit der kanaanitischen Burganlage nachgewiesen werden konnte. Zu dem kanaanitischen Totenkultus stimmt auch die׳ andere Tatsache, dass nur in älterer Zeit die Gräber in den Zimmern und Gängelt des Hauses lagen, also nicht für verunreinigend galten, wie später bei den Israeliten. Bis in die letzten israelitischen Perioden dagegen lässt sich das Kinderopfer nachweisen. Zahlreich sind die Funde von Kinderleichen, welche, den Kopf nach unten, in Tonkrüge gesteckt sind. Da diese Krüge meist an die Mauer gelehnt standen, so lag schon dadurch der Gedanke an Bauopfer nahe, wie man sie literarisch bereits durch 1. Kön. 16, 34 kannte. Bestätigt wird diese Vermutung durch das Skelett eines etwa fünfzehnjährigen Mädchens, das quer über die unteren Fundamentsteine gelegt und mit einer Estrichschicht aus Lehm derart ganz überzogen war, dass der Körper unter dien Fussboden der Burg zu liegen kam. Neben solchen Bauopfern finden sich auch sonst Kinderleichen, in Krügen an den Wänden־ hängend; dabei wird es sich vermutlich um Erstgeburtsopfer handeln, womit also diese Sitte als tatsächlich in alter Zeit geübt erwiesen wird (vgl. Ex. 22, 28 f.), während die spätere Zeit dies Kinderopfer ablöste. Das ist einiges von dem Reichtum der Megiddofunde. Man darf aufrichtig wünschen, dass bald das gesamte Material verarbeitet und veröffentlicht werden kann, und dass dem ״Deutschen Palästina-Verein“ auch die nötige finanzielle Unterstützung nicht fehlen möge, um das Begonnene würdig zu vollenden. Aus: DER TAG. *

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