Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- II.1906
- Issue
- 17 (10.8.1906)
- Date
- 1906-08-10
- Page
- Seite 139 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 17 LITERATURBLATT 139 bunten Lappen und allerlei Gaben, wie noch heute bei den Beduinen, behängt wurden, gehören dieser Schicht an. Die reichsten Resultate bot die 3. Schicht. Hier fand sich ein neuer Gewölbebau mit jener Uebertragungstechnik, wie sie von den Grabkammern der Chlopspyramide, auch vom sogenannten Schatzhause des Atreu'- zu Mykenä und dem des Minos zu Orchomenos bekannt ist. Eine Opferheilstätte dieser Schicht gehört in die Zeit des Pharao Thutmosis III., der um 1240 hier kämpfte und Megiddo eroberte. Etwas jünger scheint ein ansehnlicher Palast dieser Schicht zu sein, der in seinen sorgfältig behauenen, bis 2 m langen Quadern an die ältesten Teile des Haram zu Jerusalem erinnert und deshalb der salomonischen Zeit zugewiesen wird. Erst damals war Megiddo!israelitisch geworden; Salomo befestigte den Ort (1. Kön. 19.15) und setzte einen Gouverneur dorthin. Die Burg muss dem Augenscheine nach bald darauf zerstört worden sein, vielleicht um 930 durch Pharao Sisak; über den Trümmern fand sich eine Schmiede mit vielen Eisenwerkzeugen und eine Kultstätte mit zwölf Masseben. Der israelitischen .Zeit gehören die 2. und 1. Schicht an. die beide je eine Burganlage aufweisen mit wiederum interessanten Kultusanlagen. Mit dem 6. Jahrhundert endet die Kulturepoche des Teil el-mutesellim. Nur hie und da versuchte spätarabische Kultur sich wieder heimisch auf ihm zu machen, ohne Nennenswertes hervorzubringen. Das Bedeutsame der Megiddograbung sind nicht sensationelle Prunkstücke, auf die man in. Palästina überhaupt nicht allzusehr hoffen soll, sondern die ungeheure Fülle des kultur- und kultusgeschichtlichen Materials, die es möglich macht, eine fast kontinuierliche Entwicklung von über zwei Jahrtausenden einigermassen zu erkennen. Schon in den ältesten Schichten fand sich neben Feuerstein und Knochen auch Bronze; dagegen Eiisen erst in der 3. Schicht das heisst seit etwa 1500. Noch nie ist so reichlich palästinische Keramik gesammelt worden wie hier, und sie zeigt neben einheimischer Ware viel ägyptischen, cyprischen, mykenischen und gräkophönikischen Import, während die Spuren assyrisch-baby- Ionischer Kultur recht vereinzelt sind. Das Schlagwort von Palästina als der Domäne babylonischer Kultur muss stark eingeschränkt werden. Das lehren auch die Siegelfunde, unter denen neben drei bis vier babylonischen Siegelzylindern mit zum Teil wundervoll geschnittenen Tierfiguren eine Menge von ägyptischen und ägyptiisierenden Skarabäen stehen. Unter den Siegeln ragen zwei hervor durch ihre althebräischen Aufschriften. Da» eine trägt in ägyptischer Gravierung ein mischgestaltiges Wappentier mit Löwenleib. Falkenkopf, Menschenbrust und -fü'ssen und stilisierten Flügeln, und darunter die Schrift. le-Asaf (dem Asaf gehörig). Auf dem anderen, aus Jaspis gearbeiteten Löwen babylonischen Stils mit grimmig aufgesperrten! Rachen, gekrümmtem Schweif, lebensvoll zum Angriff schreitend; dabei die Worte: le-Schma‘ ‘ebed Jarob‘am (dem Schema‘, dem Diener Jerobeams, gehörig); nach diesem Titel darf man den Besitzer des Siegels wohl