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Jüdische Rundschau · 1906-07-27 · 16 (27.7.1906) · p. Seite 130

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
II.1906
Issue
16 (27.7.1906)
Date
1906-07-27
Page
Seite 130 (sequence 2)
Language
German
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130 No. 16 LITERATURBLATT jud׳en“ — gekrönter Personen und Feudalen.. Mit Gewalt werden die Juden von allen Gebieten des Lebens verdrängt, mi:t Gewalt wird ihnen das Handeln mit Geld aufgezwungen. Die Herrscher und herrschenden Klassen machten aus den Juden Geldwechsler und -Mäkler und zogen einen kolossalen Vorteil aus dieser Lage der Dinge, Während des Zunftsysteeis auf dem Gebiete des Handwerks, wurden die Juden auch aus dem Handwerk verdrängt und wurden auf diese Weise auf das einzige für sie offene׳ Gebiet des Geldhandels gestossen. Vergleichen wir aber den Reichtum der damaligen Feudalen mit dem der Juden, so stellt! sich heraus, dass der letztere auch damals׳ schon ganz minimal war und nur in anderer Leute Munde aufwuchs. Man kann aber nicht abstreiten, dass noch ein zweiter Grund vorbanden, war, der die Juden veraniasste, ihre Kapitalien im baren Geld© zu konzentrieren, Die Juden lebten immer wie auf einem Vulkan. Sie mussten stets befürchten, dass der Krater jeden Moment anfing'e, zu rauchen und ihre ganze Arbeit, ihren ganzen Wohlstand von der Erdoberfläche verschwielden lassen . Die ewige Furcht hat die: Juden gelehrt, ewig auf der Hut zu sein und sich von keinen ,,Immobilien1'1 verleiten zu lassen. Der Jude konnte sich kein festes Nest bauen, da der Boden immer unter seinen Füssen schwankte. Daraus •erklärt sich auch, wieso die Jude))., sobald andere Handelsgebiete sich! öffnen, zuerst nur mit Edelsteinen handeln — das ist ja die beweglichste Ware. Weiter war für die Entstehung verschiedener Märchen dazwischen, das vom jüdischen Reichtum, das Leben der Juden in) Ghetto selbst, bestimmend. Durch fremde Schuld waren׳ die Juden von der Aussenwelt isoliert, lebten ein in sich selbst geschlossenes Leben, und in der Phantasie der Menge malte sich das Ghetto als etwas Verzaubertes!, wie alles was vom Dunkel verdeckt ist. Das von hohen Mauern umgebene Ghetto, das mit dem Eintritt der Dämmerung geschlossen wurde, gab sehr reichen Stoff der Phantasie der Menge, die nur mit den Tatsachen des nackten Lebens rechnet und nie nach den inneren Ursachen sucht. Und ־ hinter ■diesen Mauern lebte das. Judentum in einer Qual, in ewiger Furcht vor derselben Menge, für diie das Ghetto ein unbekanntes Reich des ewig Dunklen, Verzauberten war. Verlassen wir das Vergangene und wenden wir uns der Gegenwart zu. Wir habe!) zwar kein Ghetto, wie das Mittelalter, es blieb aber für die Juden ein gesetzgeberisches Ghetto, ׳ein raffinierteres, das aber nicht minder als das mittelalterliche imstande ist, alte Märchen aufzufrischeu und neue zu schaffen. Wie im Mittelalter, zwingt man die Juden in vielen Beziehungen sich abzuschliessen, sich in die ■eigene Muschel zu verkriechen. Und dann sind sie an dieser aufgezwungenen Absonderung schuld. Fs entsteht ein Zauberkreis. Die Ursache dreht sich ■ewig um die eigenen Resultate. Aus der Beschränkung in den Rechten entstellt eine Isolierung des Lebens und diese Isolierung ruft neue Beschränkungen hervor. Dank dem Beibehalten dieser speziellen׳ jüdischen Ghettos, das bei u n s die Form des berühmten ,.Ansiedelungsrayon“ angenommen hat, dank der famosen Beschränkungs-Gesetzgebung', die alle Gebiete des ökonomi-

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