Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1906-07-27 · 16 (27.7.1906) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
II.1906
Issue
16 (27.7.1906)
Date
1906-07-27
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/8295971-9045928-8238361--339-8189976
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Literaturblatt der Jüdischen Rundschau Beilage zu ״Jüdische Rundschau“ Jahrg. XI. No. 30 9 Herausgegeben von Dr. Heinrich £oewe. ff) Redaktion: BERLIN N W. 52, Melanchthonstrasse 4. No. 16. Berlin, 5. Abh 5666—27. Juli 1906 Jahrg. II Das Märchen vom jüdischen Reichtum Das Märchen vom jüdischen Reichtum ist schon sehr alt. Schon in den antisemitischen Werken der Griechisch-Alexaudrinischen Epoche finden wir sehr viel Märchenhaftes über die unerschöpfliche1 Quelle׳ des jüdischen Reichtums. Mit diesen Märchen ׳muss man rechnen das ganze Mittelalter lang'. Es zieht sieh durch die ganze moderne antijiidische Literatur. Das internationale Judentum beherrsche infolge seines Reichtums, beinahe diie ganze Welt. Es halte das goldene Steuer der Welt in seinen Händen, lenke sogar die internationalen )Beziehungen einschliesslich Krieg und; Frieden. Ein Märchen ist aber kein Wein, und das Siegel des Alters verbürgt ihm nicht den hohen Wert. Das Gegenteil ist vielmehr der ]'all. Bei seiner Entstehung muss ein Märchen irgend einen Stützpunkt des Bodens, auf dem is entsteht,, muss eine Spur von Wirklichkeit haben.; je weiter das Märchen dann von seinem Entstehuiigsnioment sich• entfernt, desto schwächer wird de Verbindung zwischen ihr und der Ursache, die es hervorgerufen hat; je höher das Alter eines Märchens ist, desto weniger verlangt man nach seiner Erklärung. Was hat aber die Entstehung einer solchen Legende veranlasst? Wenn wir auf diese Frage eine genaue Antwort geben wollten, so würden wir genötigt, den ganzen Komplex sämtlicher komplizierter und anomalen Verhältnisse zu untersuchen, unter denen das Jüdische Volk unter den anderen Völkern lebte. Das würde uns viel zu weit führen. Deshalb wollen wir uns nur ׳darauf beschränken, einige Momente zu zeigen, die die Schaffung des Bodens für unsere. Märchen herbeige führt haben. Das Jüdische Volk wurde mit dem Verlust seiner Selbständigkeit in andere Länder eingepfercht. Dadurch wurde es der Möglichkeit״ sein Schicksal nach■ seinem, eigenen Neigungen auszubauen -••• beraubt. Sein ״Ich“ war in den Hintergrund getreten, in den Vordergrund trat ,das fremde ״Ich“, das für seine eigennützigen Absichten das jüdische Element ausbeutete. Die jüdische Geschichte wird von der i!m Lande herrschenden Klasse gemacht. Das jüdische Leben verliert seinen eigenen Wert, es wird zu einem Mittel, ein Ziel zu erreichen, ׳das ausserhalb dieses Lebens selbst liegt. Dieses Ziel besteht hauptsächlich in dem Dienst für die Interessen der herrschenden Klasse. Die Juden fangen an, sogar den Wert als Untertauen zu׳ verlieren״ sie werde״, zu Leibeigenen - bestenfalls zu ,,Schutz-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.