Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- II.1906
- Issue
- 15 (20.7.1906)
- Date
- 1906-07-20
- Page
- Seite 127 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No. 15 127 LITERATURBLATT ו Wiener Maler David Kohn, von dem wohl vordem ab und zu ׳ein Blatt bei Bock zu sehen war. der uns aber erst durch die gegenwärtig exponierte Kollektion ganz nahe gebracht worden ist. Unter den 28 aus* gestellten Bildern ziehen vor allem seine Rotstift- und Kohlenzeichnungen an, insbesondere die Blätter mit zwei Kreiden, deren koloristische Wirkung ganz unvergleichlich ist. Der ״Alte1 Jude aus Ga 1 izi en“, das Tableau mit fünf Altmänner köpfen, die Studie zu dem in New-Yorker Privatbesitz befindlichen Gemälde ״Der Grübler“ und das Studienblatt ״Betender Jude“ in drei verschiedenen Aufnahmen sind Arbeiten, die dem allerbesten, das die Kunst in dieiser Technik besitzt, an die Seite zu stellen sind. Vollendete Zeichenkunst geht da mit grösster Ausdrucksfähigkeit und seelischer Vertiefung Hand in Hand, was den Bildnissen ähre faszinierende Wirkung gibt, ob es sich nun um ein zartes Frauenbild handelt (wie jenes von Fräulein Pacher v. Theinburg oder das Blatt mit den drei Mädchenköpfen) oder um einen markigen Männerkopf, wie das Bildnis von Dr. Bresslauer und die Vorarbeiten dazu, dem prächtigen! Kopf des Grafen Hans Wilezek, des Grafen Kielmansegg usw. Von den Ölgemälden des Künstlers möchte ich ״Japanisches S t i 11 e b e n“ und die überzeugend wahre Studie ״Inneres einer alten Schmiede bei Pyrawarth“ hervorheben. Trotz der vorgerückten Saison ist die interessante Ausstellung gut besucht und bringt dem Künstler grosse Ehren. Hebräische Manuskripte London. Vor einigen Tagen ist im British Museum eine Ausstellung hebräischer Manuskripte eröffnet worden, deren Zustandekommen das Verdienst des Herrn Dr. Margoliouth» Direktors der orientalischen Handschriften-Abteilung an dem genannten Institut, ist. Die ebenso interessante, wie lehrreiche Ausstellung umfasst nahezu 6300 Manuskripte. Am reichsten ist die Bodlejana in Oxford vertreten, nämlich mit nicht weniger als 2541 Handschriften. Dann folgt die berühmte Sammlung des Herrn Elkan N. Adler, sicherlich die grösste und wertvollste, welche ein Privatmann sein eigen nennt, mit 1500. das British Museum mit ca. 1400, die Bibliothek der Universität Cambridge mit 10, die des hiesigen Jews College mit 580, das Beth Hamidrasch mit 147 Handschriften. An Inkunabeln hat das British Museum 80, Herr Elkan Adler allein 50 ausgestellt. Unter der Fülle von Kostbarkeiten erregen ganz besondere Bewunderung ein in Spanien dm Jahre 1472 hergestelltes, mit wunderbaren Goldinitialen geschmückte« Manuskript der Mischne Thora des Maimonides, eini^gleich prächtige, aus dem Jahre 1482 datierte Bibelhandschrift mit illustrierter Massorah und ein im Jahre 1339 im Damaskus geschriebener Kodex des samaritanischen Pentateuch. Mocattabibliothek Eine sehr interessante jüdische historische Bibliothek geht in diesen Tagen mit den dafür durch öffentliche Beisteuern gesammelten Unterhaitungsgeldern in die Obhut des Londoner Universith College über. Diese Sammlung, bestehend aus seltenen Büchern. Handschriften und sonstigen Seltenheiten zur Erläuterung der jüdischen Geschichte, war im Laufe langer Jahre von dem verstorbenen Herrn F. D. Mocatta, einem sehr angesehenen Mitgliede der älteren Londoner Judenkolonie, mit grossem Kostenaufwand zusamm^rgestellt worden. Durch letztwillige Verfügung überliess der Besitzer dann seine Schätze der Jüdischen Historischen Ge- Seilschaft, einem noch jungen Verein, der in derselben Weise wie der Stifter fortwirkt. Die Übergabe an das University College, das in Gower Street, nur wenige Minuten vom Britischen Museum gelegen ist. hat wohl