Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- II.1906
- Issue
- 15 (20.7.1906)
- Date
- 1906-07-20
- Page
- Seite 128 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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128 No. 15 LITERATURBLATT P den Zweck, diese Sonderbibliothek Gelehrten und Studierenden leichter zugänglich zu machen. Neue Ausgrabungen In einem Artikel über ״Die Israeliten in Babylonien“ berichtet Dr. F. Seyring im HAMBURGISCHEN KORRESPONDENTEN über die neuesten Ausgrabungen im Zweistromland. Wir entnehmen der Derstellung das Folgende: ״Es gibt eine ganze Reihe nicht uninteressanter Fundstücke, die, aus Schutt der Jahrtausende auferstehend, uns von den alten Hebräern, die ein würdiges Geschick in das Zweistromland führte, Kunde geben. Zunächst ist das Grab des Propheten Hesekiel am Hindieh-Kanal zu nennen, einige Stunden südöstlich von Babylon. Es weiden zwar manche Gräber des grossen Propheten der Verbannung in Babylonien gezeigt; aber dies eben genannte scheint vor den andern den Stempel der Echtheit an stich zu tragen. Es ist ein Bau. den das Dorf Kisii, das übrigens ganz von Juden bewohnt ist, umschliesst. In diesem Namen glaubt man die verderbte Gestalt des hebräischen Namens Jecheskel (Hesekiel) wiederzuerkennen. Das Grab ist nun reichlich mit hebräischen Inschriften bedeckt. Von Ihm urteilt der amerikanische Ausgrabungs-Direktor Dr. E. E. Banks, der in den ״Sunday School Times“ die Summe dei hier interessierenden Ausgrabungsresultate zusammengestellt hat: ״Der Bau, der von den frommen Einwohnern des Ortes beständig von neuem instand gesetzt wird, scheint nach seinem Stil aus den glücklichen. Tagen der Araber herzurühren; aber seine Grundlage scheint bis zum Tode Hesekiel’s zurückzureichen.“ Doch, mag hier auch nur der Schein für Echtheit sprechen, eis. gibt noch überzeugendere Reste echthebläischbabylonischen Altertums. So sind den Ruinen eines Hügels mit Namen Bismaya unweit der Stadt Kaut gewaltige Grundmauern aufgedeckt worden, deren quadratische Ziegelsteine sich mit hebräischen Namen gesternpelt zeigen. Dazu sind weithin im mittleren Babylonien viele Bruchstücke alter Grabsteine aus Marmor, mit hebräischen Aufschriften bedeckt, blossgelegt worden!, desgleichen grosse Doppelurnen, die den hebräischen Exulanten als Särge dienten. Auch an Gebrauchsgegenständen, die hebräischen Charakter an sich tragen, wie Mahlsteine, Olivenöl-Lampen usw.( ist unter den Fundstücken kein Mangel. Sie sind im Zusammenhang mit den Resten ״ der Wohnhäuser, in deren Schutt sie gefunden wurden!, imstande, uns noch heute ein Bild des Hauses und des einfachen Lebens darin, wie es die jüdischen Exulanten geführt haben, zu geben. Die Phantasie, die bei allen Rekonstruktionen mit zu Hilfe genommen werden muss, hat Dr. Banksnach den aufgefundenen Resten folgendes Bild entwerfen lassen: ״Die Häuser, worin die (von den Assyrern) kriegsgefangenen Israeliten wohnten, hatten Wände! von Lehm und nur selten von gebrannten Ziegeln. Das einzige Zimmer, das diese Häuser darstellten, wurde durch'die'Tür öder eine kleine Oeffnung in der Nahe des Daches erhellt, durch die der Rauch des Herdfeuers abziehen sollte. Stämme von Dattelpalmen, mitten durchgeschniitten, waren über die Lehmwände geleigt, um Unterlagen für das Dach zu bilden. Ueber diese waren eine oder zwei Schichten von Rohrstengeln aus den benacht arten Sumpfteichen gelegt darauf wieder eine dicke Schicht von Röhricht und endlich eine fussdicke oder noch dickere Schicht von Lehm, um den Regen des Winters oder die Hitze des Sommers abzuhalten. Ein MaLstein, ein Mehlsack, einige Rohrmatten, ein Lehmtisch, eine Olivenöl-Lampe, ein Steingewicht und ein aus gebranntem Ton bestehender Hühnchenkäfig machten in der Hauptsache die Gerätschaften der jüdischen Exulanten aus.“