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Jüdische Rundschau · 1906-07-06 · 14 (6.7.1906) · p. Seite 117

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
II.1906
Issue
14 (6.7.1906)
Date
1906-07-06
Page
Seite 117 (sequence 5)
Language
German
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No. 14 EITERATURßLATT 117 5291 v. Chr. datiert. Die sieben Jahrtausende, die seitdem vergangen sind, haben kaum eine Spur an dem Stein hinterlassen. Man sieht, wie der mit einer Keule bewaffnete König einen sich duckenden Beduinenhäuptling schlägt, dessen Qesichtszüge übrigens, wie Petrie bemerkt, grosse Aehnlichkeit mit dem jetzigen ,Häuptling des Bezirks haben. Der Ort bietet keine Nahrungsmittel und kann niemals! solche geboten haben. Alle Esswaren müssen drei Tagereisen weit vom Roten Meer gebracht worden sein. Man findet hier noch zahlreiche kunstvolle Felseninschriften, von denen leider sehr viele vor drei Jahren von einem Syndikat, das hier Türkisen gewinnen wollte, mutwillig zerstört worden sind. Einige Täfeleben, die diesem Zerstörungswerk entgangen waren, dessen einen Einblick gewinnen in die Art. wie die Könige von Aegypten Jahrhunderte lang in das Innere der Insel Expeditionen in die Türkisenminen schickten. Diese blieben während der günstigen Jahreszeit einige Wochen dort, kehrten dann mit ihrer Ausbeute zurück und hinterliessen auf dem unvergänglichen Stein einen Bericht über ihre Herrscher und ein Verzeichn nis ihrer eigenen Leistungen. Die zackigen Berge auf Sinai hatten nur einen Wert durch ihre Türkisenadern. Die Göttin des Ortes war Hat-hor, die Herrin der Türkisen, der inmitten der steinigen Hügel in Serabit eine Kapelle und ein Tempel errichtet war. Den ersten Höhlenaltar, der hier errichtet wurde, verlegte■ Petrie in die Zeit um 4750 v. Chr.; der Tempel selbst, der im Freien lag, wurde in der Zeit von 3450—1150 v. Chr. ständig erweitert. Hat-hor war keine ägyptische, sondern eine semitische Göttin. Die Aegypter verbanden später mit der Verehrung der Hat-hor auch die ihres Gottes Sopdi, aber das Ritual in Serabit war rein semitisch, so dass tausend Jahre vor Moses und der Festlegung des Rituals des Volkei Irael ein ähnliches auf der Halbinsel Sinai in Uebung war. In den Ruinen des Tempels finden sich zerbrochene Altäre, die zur Verbrennung von Opfern und Weihrauch dienten. Man sieht noch grosse Aschenlager, zu denen die Feuerung aus weiter Entfernung gebracht worden sein muss; verschiedene zerbrochene Steingefässe und Becken zeigen, dass die Andächtigen auch eine ganze Reihe von Waschungen vorgenommen haben. Sie suchten auch, wie eine ganze Anzahl von Schlafräumen beweist, durch Schlafen in der Umgebung Traumorakel zu erhalten in der Hoffnung, die Göttin würde ihnen offenbaren, wo ihre kostbaren blauen Steine verborgen liegen. Und wer vom Glück begünstigt war. errichtete in dankbarer Erinnerung Stellen oder Säulen mit Inschriften־, die man noch lesen kann. Im Anschluss daran führt Petrie aus, dass das von Moses gegebene ״Gesetz“ nur eine Vereinigung alter semitischer Bräuche darstellt, die nicht auf Abrahams Familie beschränkt waren. Als die Oberherrschaft der Aegypter nicht länger aufrecht erhalten wurde, zerbiachen die Beduinen alles, was leicht zu zerbrechen war, aber sie Hessen die Stücke zurück, und das trockene Wüstenklima hat sie alle unversehrt erhalten. So fand Petrie die alten Feuersteinwerkzeuge der Arbeiter neben Stücken schöner Alabastervasen aus der Zeit der letzten Dynastie. Sein bedeutendster Fund aber ist eine semitische Schrift auf den Steinen. Diese Schrift widerlegt die Theorie, dass den Hebräern die Kunst des Schreibens unbekannt war, bis sie von den Aegvptern lernten; sie macht es fast sicher, dass die Hebräer lange vor ihier Gefangenschaft in Aegypten während der Regierung Ramses II., 1300 bis 1234 v. Chr., Aufzeichnungen über ihr Volk machten. ״Als dann die Hebräer unter der ersten Monarchie die Materialien für die Geschichte ihres Volkes sammelten, war das eine Herausgabe wirklicher Dokumente und nicht bloss mündlicher Ueberlieferung, wie die äussere und innere Wahrscheinlichkeit zeigt.“ Von grossem Interesse ist auch ein Kapitel des Buches, in dem Petrie die Geschichte des Auszuges aus Aegypten auf Grund der Erfahrungen bei seinen eigenen Reisen auf der Halbinsel

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