Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- II.1906
- Issue
- 14 (6.7.1906)
- Date
- 1906-07-06
- Page
- Seite 118 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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118 LITERATURBLATT No. 14 Sinai betrachtet. Er meint, dass die traditionelle Ansicht über die von den Israeliten ׳eingeschlagene Richtung richtig ist, d. h. dass sie sich südwärts nach Wady Gharandel wandten. Die natürliche Oase, wo sich die Midianiten zum Widerstand gegen die Eindringlinge sammelten,• wär Wady Teiran. damals wie heute die fruchtbarste Gegend der ganzen Halbinsel. Die klimatischen Bedingungen können sich aber während der verflossenen 3000 Jahre nicht verändert haben, und da Wasser und Nahrungsmittel knapp waren, so können es nicht mehr als 5000 Menschen gewesen sein, die durch die Wüste geführt wurden. Daher hält Petrie auch die in Numeri 1. und XXVI. gegebenen Volkszählungslisten über die Stämme Israels nur für richtig, wenn man sie anders interpretiert. Es wiiu für den Beginn der Wanderung eine Bevölkerung von 603 500 und für den Schluss 601 700 angegeben, eine Menge, die in einem so öden und wasserarmen Lande nie hätte ernährt werden können. Petrie weist nun darauf hin, dass das hebräische Wort ״alaf“ entweder ״Tausend“ oder ״Gruppe“. ״Familie“ bedeutet, so erklären sich die falsch aufgefassten Zahlen. Statt dass der Stamm Rüben 46 500 Personen zählt, nimmt Petrie 46 Familien an, die im ganzen 500 Seelen zählten. Wenn die Listen in dieser Weise durchgegangen werden, zeigt sich das überraschende Ergebnis von 598 Zelten oder Familien bei der ersten Zählung, mit 5550 Personen im ganzen, durchschnittlich 9,3 auf die Familie, und bei der zweiten Zählung 596 Zelte mit 5730 Personen im ganzen 9,6 im Durchschnitt. Diese Zahlen stimmen zu den bekannten geschichtlichen Verhältnissen, denn so viele Personen konnten Gosen verlassen und in Sinai leben. Und wenn dem entgegengehalten wird, dass so wenige kampffähige Männer, wahrscheinlich nicht über 1500, nicht Palästina einnehmen konnten, so lautet die Antwort, dass Palästina ein entvölkertes •Land war, da es durch verschiedene Einfälle der Aegypter gelitten hatte, und dass die Hebräer die zerstreuten Stämme, mit denen sie in Beriihrung kamen, an sich zogen. Wichtige Entdeckungen aus dem alten Palästina In der Jahresversammlung des ״Palestine exploration fund“ erstattete Stewart Macalister einen sehr interessanten Bericht über die letzten Ausgrabungen, die unter seiner Leitung in Palästina vorgenommen worden sina. Besonders bemerkenswert waren die Entdeckungen in der kanaanitischen Königstadt Gezer, wo wertvolle Reste der alten Stadt, Stadttore, Teile :von einem Tempel, Stadtwälle, Häuser aus der Zeit um 1450 v. Chr. und Pfeiler auf einer Steinbasis, auf denen der Tempel ruhte, gefunden wurden. Auch die Eingänge zu fünf oder sechs Höhlen mit fünfzehn oder sechszehn einzelnen Kammern wurden durchforscht; sie stammten aus sehr verschiedenen Epochen, die sich über die Zeit von 3000—200 v. Chr. erstreckten, und in einer von ihnen wurden wertvolle Gegenstände ägyptischen, Ursprungs, und zwar ■ aus dem Mitleren Reich, gefunden. An der nördlichsten Ausgrabungsstätte lag die grosse Anhöhe, die vielleicht die früheste Stätte semitischer Gottesverehrung in Palästina darstellt. Auch ein einzelner grosser Stein wurde entdeckt, der äugenscheinlich nicht lokalen Ursprungs war, sondern, wie man vermutet, aus Jerusalem stammte. Auch Gegenstände, die augenscheinlich mit vorsemitischer Gottesverehrung zusammenhingen, fanden sich, ebenso; eine Bronzestatuettxe der Göttin Aschtoreth in gutem Erhaltungszustände. Man grub ferner das alte Reservoir aus, das etwa 14 Millionen Liter fasste, und stellte aus einigen Fragmenten und den Toren die Identität der Burg von Simon Maccabäus fest, auf deren Dach eine Reihe von Bädern entdeckt wurden. Auch die künftigen Ausgrabungen schekign; reiche