Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- II.1906
- Issue
- 14 (6.7.1906)
- Date
- 1906-07-06
- Page
- Seite 116 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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1 16 LITERATURBLATT No. 14 tens. so ist es augenscheinlich, dass die Nomaden, die dieses Lager errichtet haben, zu dem geheimnisvollen Volksstamm gehörten. Das Lager ist ein grosser, von Erdwällen umschlossener Raum, viereckig, die eineinen Ecken abgerundet, ganz ähnlich den Lagern nomadischer Stämme, die man in anderen Ländern gefunden hat. Es ist etwa 1500 Fuss breit und wird von einem Wall umgeben, der an der Basis 200 Fuss dick ist. Dieser Wall war nach der Vorderseite hin mit einer Fläche von weissem Mörtel verkleidet, die 70 bis 80 Fuss lang war und eine Abschrägung unter einem Winkel von 35 bis 46 Grad hatte. Von einem Torweg wussten die Erbauer des Lagers noch nichts; ebensowenig wussten sie schon Ziegel oder Holz zu ihrer Verteidigung zu benutzen, und die Art und Weise, auf die sie einen Eingang in das Lager herstellten, war die, dass sie über den grossen Lagerwall einen ansteigenden breiten Weg führten. Dieser aufwärts führende Eingangsweg wurde auf jeder Seite wieder von Wällen flankiert, auf denen Bogenschützen Aufstellung nehmen konnten, um den Weg bei einem etwaigen Angriff mit •ihren Pfeilen bestreichen zu können. Wir haben hier augenscheinlich ein Volk vor uns, das sich auf derselben Entwicklungsstufe befindet, wie die Nomaden Zeutral-Asiens: Grosse Bogenschützen, wie die Skythen. Perser, Parther und Turkmenen, aber zur Verteidigung noch völlig auf eine Verschanzung durch Erdwälle angewiesen. Nachdem die Hvksos zwei oder drei Generationen in Aegypten gelebt hatten, war natürlich das System des Kampfes und die Art ihrer Bewaffnung völlig umgeändert. Der Vorteil der starkbefestigten ägyptischen Forts wurde von ihnen erkannt und eine riesige Steinmauer, über vierzig Fuss hoch, sechs Fuss dick und eine Meile lang, wurde rund um den Erdwall erbaut und der Zwischenraum zwischen der Steinmauer und dem schrägen Abhang mit Erde ausgefüllt. Aber der Eingang durch den Weg über die Erdmauer herüber wurde beibehalten und Torwege kommen auch bei dieser späteren Anlage noch nicht vor. Die Beschreibung, die Manetho bei Josephus von dem Hirtenvolke entwirft, wird durch diese neue Ausgrabung in vieler Hinsicht bestätigt. Ein barbarisches, zunächst auf tiefer Kulturstufe stehendes Volk erscheint vor uns, das innerhalb hundert Jahren seine losen Schwärme zu einer festen Nation vereinigte und ein grosses, stark befestigtes Lager baute. Es ist wahrscheinlich, dass dieses Lager, das nun vor uns wieder aufgedeckt worden ist. die berühmte Stadt der Hyksos Avaris daistellt; jedoch sind die Beweise für diese Annahme noch nicht völlig erbracht. Die Grabstätte der Hyksos zeigt, dass sie selbst Tongefässe in der Allgemeinheit wie der Aegypter nicht kannten, sondern ihre Formen nachahmten. Aber sie haben eine Art kleiner Salbgefässe aus schwarzem Ton mit eingegrabenen Verzierungen eingeführt, die wahrscheinlich mittelländischen Ursprungs sind. Archäologische Forschungen auf Sinai - Auf die älteste Geschichte der Halbinsel Sinai, die für kurze Zeit wieder in den Mittelpunkt des politischen Interesses gerückt war. werfen die von dem bekannten Aegyptologen Flinders Petrie unternommenen Ausgrabungen ein helles Licht. Der erfolgreiche Forscher erstattet über die Ergebnisse seiner Arbeit, die auch für die Geschichte des Volkes Israel wertvoll sind, in einem kürzlich bei John Murray erschienenen grösseren Werke ausführlich Bericht. Petrie unternahm seine Expedition von Suez aus. wandte sich südwärts nach der ersten Oase Wady Gharandel und suchte dann in den Bergen nach Inschriften, die die in den Türkisenminen zu Maghareh arbeitenden Aegypter auf den Felsen eingegraben hatten. Dort hat Petrie auch Felsen mit Skulpturen gefunden, die die Züge Königs Semerkhets von der ersten Dynastie tragen, den er׳