Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- II.1906
- Issue
- 13 (22.6.1906)
- Date
- 1906-06-22
- Page
- Seite 110 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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1 to _ LITERATLLRBL ATT_ No. 1:1 Scheu nahm Ihr Rezensent von vornherein diese kleine. Sammlung von Gedichten vor. Wenn er sie nicht völlig überwunden hat. so liegt das aber doch nicht "an ilim. Die Verse tragen doch noch zu. sehr den Steinpal •einer formgewandten .lugend au sich. Aber das Kennzeichen dieser Verse ist die glühende Liebe eines jugendlichen Herzens zu seinem Volk und seinem Zion. , Seit der Zerstörung des Tempels ist kein Prophet mein auierstanden und die (labe, die Zukunft zu prophezeien, bleibt nach der׳ H'ebe.rl'ietertmg unserer Alten Kindern und Narren Vorbehalten. Wenn wir einmal die Kinderei oder Narrheit begehen wollen, zu prophezeien, so ist es dies, dass der Verfasser dieser Gedichte vielleicht kein grosser Dichter werden wird, wohl aber einer unserer formgewandtesten Schriftsteiler in ungebundener Rede und gewiss einer unserer hoffnungsreichsten jui gen Männer im Kampfe für unser Volk. Hs steckt viel Schwung in diesen Gedichten, wenn auch nicht viel anschauliche Phantasie. Freilich bringt das die Tendenzdichtung mit sich.. Dem Jüdischen Volke sind.diese■ Verse gewidmet: ״Gleich einem Balle in der Hand des Kindes. Gleich einer Leder in der Macht des Windes, Gleich einein Kahn in der Gewalt der Wellen, Steht unser Volk! — Doch nie wird es zerschellen.“ Die Leute, die in der Jugend Verse machen, sprechen, wenn sie älter sind, gar oft ein sehr gewichtiges Wort in der Prosa des Lebens. Die Siegesgewissheit, die aus allen den Versen ■spricht, wird Jen jungen Dichter als sein bester Schild im Kampf für sein Volk begleiten. Victor Klemperer: T a 1111 u d - S pr iV c h e. Eine Kulturskizzt G'fbssenhain und Leipzig: Baumert & Rouge (1906). (70 S.) 8. In reizender Horrn giebt der Autor eine kleine Gruppe von sprichwö'tlielien Redensarten, Sinnspnichen und Weislieitsregelu des Talmud^. Per unerschöpfliche Duell des talmudischen Schrifttums ist damit kaum aV, 'der Oberfläche berührt worden. Das soll kein Tadel sein. Denn was uns Klemperer bietet, ist eine Hülle von Sentenzen in eine so ausgezeich-!;etc Horm gekleidet, dass sie :\vie kleine Originäldichtimgeu anmuten. (Jeviss sind verschiedene Sprüche weniger würzig und wenigei gewandt wiedergegeben, aber die ,Gesamtheit ist von einer unnachahmlichen Grazie, die den Kenner , der Sprüche ■im Original . nur um s.0 mein־ freudig über.-, rascht. Wie schön’nimmt' sich der Schlusssatz aus: ״Willst du über ein Sprichwort scherzen. Weil du zu weise -- so bist du ein Tor! Wenn ■ der König zu Nacht eine :Perle verlor. . , ■ Sucht er sie auch mit ■ schlichten Kerzen.“ I) i e R e 1 i g Lo 11 des Alte 11 T e s t a m e 11 t s 11 11 t e r d e 11 R e- 1 i g i o 11 e n d e s •v ordere 11 O 1־ i e 111 s von Karl Marti, ord. Prof.. d.-Theol. in Bern. (Zugleich Einführung .in den ״Kurde;! Hand-Kommenta! zum Alten Testament). Tübingen: .1. C. B. Mohr (Paul Siebeck) 1906. (VII, 88 S.) gross. 8. Geh. 2 Mk., geh. in Leinw. 3 Mk, Der kurze Handkoinnientar hat sieh in kurzer Zeit zu einem unentbehrliclien Hilfsmittel gemacht, fiir alle, die sich in die Alttestamentliche Wissenschaft einführen lassen wollen. Die vorliegende Hinführung in den Kurzen Hand-Kommentar kommt besonders allen, denen zu Gute, die sieh einen Einblick in das Werden und Wachsen der alttestamentlichen Weltauscliaiuing, verschaffen .wollen, ohne dass die Hand des Meisters sie. direkt .führt.' ״Als Einführung kann ■ sie dienen, da sie übersichtlich über den .ganzen Verlauf der Geschichte der alttestamentlichen Religion-orien-