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Jüdische Rundschau · 1906-06-22 · 13 (22.6.1906) · p. Seite 106

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
II.1906
Issue
13 (22.6.1906)
Date
1906-06-22
Page
Seite 106 (sequence 2)
Language
German
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106; LITERATUR B L A TT, No 13 Werk ist zugleich der breite Grundstein, aut dem sich die \veitere Ent- Wickelung des nationalen Judentums aufbaut, die sich von der früheren besondeis dadurch unterscheidet, dass die osteuropäische .ludenschaft die im Westen geschaffenen und systematisierten Ideen aufgreift und sie in die Seelen der Juden verpflanzt, Wo eine grosse Judenmasse erst die materiell:• Grundlage .nationaler Bestrebungen, bietet.• Die J'udenheit im Osten übernimmt allmählich die Führung. Zum Teil: getrennt• vun:d selbständig entwickelt sich der jüdische Nationalismus im Westen weiter, um später• in der Kolonisation und dann besonders'* auf■ den Kongressen wieder mit dem inzwischen ■gewaltig• erstarkten Zionismus...de-s..europäischen Ostens zusammenzutreffen. Es ist das eine einzige Entwickelung, deren erste Spuren schon bei der Entstehung des Chassidismus und beim grossen Gaon Eiii.iahu von Wilna deutlich zu beobachten sind, und die trotz ihrer gewaltigen KraftentvGckelu.ug doch erst am Anfänge dessen steht, was sie zu leisten verrnav. Es ist der Kampf für die Freiheit, das Ringen einer unversiegbaren Lebenskvafi nach uiivertilgbarer Lebensbetätigung. Es ist der Erciheitskampf eines Volkes,•, dessen Geburt allein schon ein Erciheitskampf war. ohnegleichen. Mit Moses Hess beginnt die eigentliche Geistesgeschichte der nationaljüdircheu Bewegung. In seinem Hauptwerk ״Rom und Jerusalem“, das 1862 zuerst erschien,■׳ hat er bereits jene Umwertung aller historischen Begriffe vorgenommen, die eine falsche Geschichtsauffassung in den Zeiten der Angleichung an das Stammfremde bei der jüdischen Gelehrtenwelt eingebürgert hatte. Während die Holdheim und Geiger noch in den Eusstäpicn der Männer schreiten, die das ausgehende achtzehnte Jahrhundert bezeichnen, ist Hess zugleich ein Schüler der immer modernen Moses und Spinoza und des damals führenden Geistes der Geschichtsphilosophie Hegel. Daher erkennt er die historische Bedeutung des .Judenstammes mehr als irgend einer, und auf Gobineau fhsseud, •stellt er die Existenz unveränderlieber Rassen und nationalen Charaktere fest, die er freilich anders und besser zu chn.rakterisier.en weiss, als sein antipodischer Lehrmeister. Er, der begeisteite Spinozist und der erste bewusste Verfechter der Lehre von der Internationale im Sozialismus, wurde der bewusste Träger des Nationalgedankens im Judenvolk. Dabei arbeitete er, der bedeutendste Umwerter jüdischer Werte im neunzehnten Jahrhundert, bewusst und mit voller Sicherheit und Zuversicht eines endlichen Erfolges an der Herstellang eines jüdischen Staates in Palästina. Der Sozialist für das Wirtschaftslehen, ist zugleich der überzeugteste Individualist für das Völkerleben, in deren geistigen Differenzierung er den natürlichen Fortschritt sieht. Der philosophische Kopf, dem der Spinozismus mit dem reinen Geist des Mosaisrnus. ä. h. mit dem Judentum durchaus identisch ist, ist zugleich der erste politisch denkende Jude, der seine historische, also1 nationale Anschauung in die Forderung umsetzt, einen Judenstaat zu' gründen, der in Palästina seine Stätte haben muss. Er fühlt, dass er im Zeitalter der Nationalitäten lebt und es ist ganz folgerichtig.■ dass er'

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