Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- II.1906
- Issue
- 13 (22.6.1906)
- Date
- 1906-06-22
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Literaturblatt der Jüdischen Rundschau Beilage zu ״Jüdische Rundschau“ Jahrg. XI. No. 25 herausgegeben von Dr. Heinrich focwe. P Redaktion: BERLIN N. W. 52, Melanchthonstrasse 4. No. 13. Berlin, 29. Siwan 5666 —22 ־. Juni 1906 Jahrg. 11 Vorgeschichtliches vom Zionismus Zweiter Zeitabschnitt. (Bis 1*882.) Von Heinrich L 0 e w e. Der Aufruf Laharanncs vom Jahre 1860 fand seinen haimtsächlichsttn Widerhall in dem Herzen eines ihm kongenialen Juden. Der früher■? Redakteur der ehemaligen RHEINISCHEN ZEITUNG, M. Hess, einer der ersten Kämpfer für den Internationalismus in der Sozialdemokratie, der noch kurz vor seinem am 6. April 1875 erfolgten Tode tätigen Anteil an dem Brüsseler Kongress der Internationale nahm, lebte damals in Paris :in der Verbannung. Der Mann, der allein eine ganze philosophisch-sozialistische Literatur ge- .schaffen hat, wurde von dem Laharanneschen Werke so angeregt, dass er seine längst gehegten kritischen Ansichten über die Juden wieder hervorkolte und sie zu einem positiv zionistischen Programme entwickelte. Seine Judenstaatsidee, die er in seinem berühmt gewordenen Werke ,..Rom und Jerusalem“ niedergelegt hat, war zionistisch, war palästinisch. Ei konnte das nicht anders sein. Denn sie war ein Ausfluss seines nationaJen Empfindens, das in keinem Widerspruch stand mit seinem Komopolitismus, und sich mit ihm zu einem weitherzigen jüdisch-nationalen Fühlen unu Denken vereinigte. 111 dein ganzen Jahrhundert jüdisch-nationaler Entwickelung aber, an dessen Ende wir stehen, hat alle Zeit das Mitgefühl mit dem Judenelend zur allgemeinen Judenstaatsidee geführt, losgelöst von teriitorialer Beschränkung. Dagegen hat das eingeborene jüdische Nationalgefühl, das sich im Judenschmerz äussert, nie ein anderes Zukunftslaue erträumt und erarbeitet, als einzig das alte nationale Vaterland. Und d;eser Gegensatz hat sich bis auf den heutigen Tag immer wiederholt. Hess aber, der von Kindheit an mit allen Fasern seines Herzens am Judenturne hing, der seine stammestiimliche Kultur mehr kannte als alle die zeitgenössischen Rabbiner, die sich einbildetert. jüdische Wissenschaft zu treiben, dem die soziale Judennot völlig fremd war, kam aus seinem jüdischen Nationalismus •in strenger Gedatikenfolge zu dessen letzter und einziger Konsequenz, dem Judenstaate in Palästina. Mit dem Erscheinen von Hess’ ״Rom und Jerusalem“ ist die erste Ep'rcbe national-jüdischer Gedankenentwickelung abgeschlossen. Dies