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Jüdische Rundschau · 1906-05-04 · 10 (4.5.1906) · p. Seite 85

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
II.1906
Issue
10 (4.5.1906)
Date
1906-05-04
Page
Seite 85 (sequence 5)
Language
German
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No. 10 LITERATURßLATT 85 als alle anderen Nationalitäten. Diese Umstände würden selbst einen höheren Unterschied in dem Prozentsätze der Geisteskranken bei Juden und Nichtjuden, als er in Wirklichkeit besteht, verständlich machen.“ Es entfallen Geisteskranke auf je 10 000 bei den Polen: 8,51; Russen. 9,54; Juden: 9,84; Littauen und Letten: 13,75; Deutschen: 15,04; Gesamtbevölkerung 9,35. Die Differenz ist also gegenüber dem Durchschnitt minimal und kann ebenso gut für ein anderes Jahr ganz verschwinden. Ru pp in fügt hinzu: ״Besonders der hohe Prozentsatz der Geisteskranken bei den Deutschen, .für deren körperliche Degeneration doch keinerlei Vermutung spricht, die aber mehr als die Russen und Polen in Städten wohnen und in wirtschaftlicher und geistiger Beziehung am höchsten stehen, unterstützt die Annahme, dass ein grösserer Prozentsatz an Geisteskranken wenigei aut körperlichen Verfall, als auf das Wohnen in Städten und hohe geistige und wirtschaftliche Differenzierung zurückzuführen ist.“ — Taubstumme und Blinde sind unter den Juden in Russland weniger als unter der übrigen Bevölkerung; die Zahl der Stummen ist allerdings grösser; aber es ist in Betracht zuziehen, dass dank der geringeren Säuglingssterblichkeit unter den Juden überhaupt mehr Kinder heranwachsen als ihrer Verhältniszahl entspricht, dass also auch eine geringere Zahl von Gebrechlichen im Kindesalter verstirbt. Über die körperliche Beschaffenheit der Juden bringen die von R u p p i n benutzten Statistiken kein Material bei. Es sei dem Referenten gestattet, hinzuzufügen, dass durch Statistiken in Hospitälern usw. erwiesen ist, dass auch in dieser Beziehung die Juden nicht ungünstiger darstehen als andere Völker, dass im Gegenteil für die meisten und gerade die verheerendsten Krankheiten (Tuberkulose, akute Exantheme etc.) eine grössere Wider- Standsfähigkeit der Juden erwiesen ist. — Es sei mir gestattet,' mein Urteil zum Schlüsse dahin zusammenzufassen, dass die Ruppinsche Arbeit in vorzüglicher Weise die ihr gestellte Aufgabe erfüllt und dass sie den unwiderleglichen Beweis für die Möglichkeit eines lebensfähigen Judenstaates liefert. — Berlin. Dr. Hans Mühsam. D r. M. Margel, Deutschhebräisches Wörterbuch. Verlag Leopold Klein, Pozega (Slavonien) 1906. S. XVI—867. (Lexikonfo rinnt.) Einer der grossen Vorzüge der modernen hebräischen Literatur besteht vornehmlich darin, dass durch sie die hebräischen Sprache sich zu einer wirklich lebendigen, zum Umgänge und Verkehre gut und bequem entwickelt hat, zu einer Sprache, die für jeden Begriff , das passend hebräisch klingende Wort, für jeden Gedanken den richtigen reichlichen Ausdruck, für jede wissenschaftliche Abhandlung über irgend ein Kenntnisgebiet, den erforderlichen, ja überreichen Wortschatz besitzt. Wer daher heutzutage ein im Hebräisch verfasstes Buch liest, und mag dasselbe philosophischen, geschichtlichen, pädagogischen, wirtschaftlichen, politischen die sozialen Fragen berührenden Inhaltes sein, der wird das altgehegte Vorurteil von der hebräischen Srpache, dass dieselbe arm an Worten und Redewendungen sei, gänzlich aufgeben müssen. Freilich w^aren es drei Faktoren, die auf den Fortschritt der hebräischen Sprache mächtig und umgestaltend, bildend, bezeichnend eingewirkt haben, a) Die langjährige Forschung der semitischen Sprachen, der tüchtige, fleissige, christliche wde jüdische Philologen gewidmet sind, führte der hebräischen Sprache eine Menge von neuen Bezeichnungen konkreter und abstrakter Begriffe zu, die dem hebräischen Wörterbuche einverleibt wurden und deren sich jüdische Schriftsteller gegenwärtig bei ihren literarischen Arbeiten*nunmehr bedienen, b) Die umfangreiche Übersetzung wissenschaftlicher Werke von allen Kenntnisgebieten, die seit einem langen Zeiträume von jüdischen

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