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Jüdische Rundschau · 1906-05-04 · 10 (4.5.1906) · p. Seite 84

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
II.1906
Issue
10 (4.5.1906)
Date
1906-05-04
Page
Seite 84 (sequence 4)
Language
German
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84 LITERATURBLATT No. 10 dieser niederträchtigste aller Lumpen, die unmenschlichen Maigesetze er- Hess, beginnt die Massenwanderung der Juden und seitdem haben 1 123 000 Seelen, also mehr als der fünfte Teil aller russischen Juden ihre Heimat verlassen. Die Verteilung dieser Emigranten auf die verschiedenen Einwanderungsländer —- unter denen Amerika weitaus die erste Stelle einnimmt —, ihre Gliederung nach Alter, Geschlecht, Berufsarten, Besitz, Bildungsgrad usw. muss im Original eingesehen werden. — Die für dieses Jahr aufzustellende Statistik wird voraussichtlich ein anderes Bild bieten. Der Auswanderungsstrom ist im beständigen Steigen begriffen, aber das durch die Verschärfung der Einwanderungsbedingungen in den Immigrationsländern und die Austreibung schon Eingewanderter bewirkte Zurückfluten, wird die Grösse der wandernden Massen kleiner erscheinen lassen. Bis jetzt ist die Ablenkung des Stromes nach anderen Ländern, welche bisher für die Einwanderung wenig oder gar nicht in Betracht kamen, noch nicht bemerkbar. Wenn nicht unvorgesehene Ereignisse eintreten, wird wohl die Richtung der Wanderbewegung nicht sehr geändert weraeri. Aber die von den P o a 1 e Zion neuerdings kräftig in Angriff genommene Realisierung einiger Grundlagen für unser endliches Ziel rechtfertigen die Hoffnung, dass in absehbarer Zeit die Emigration eine völlig andere Physiognomie erhält. -- Es sei erlaubt, von diesem Standpunkte aus noch einige Angaben aus der Statistik hinzuzufügen, welche die Qualifikation der einwandernden Bevölkerumr zur Bildung eines lebensfähigen Staatswesens betreffen. Die natürliche Zunahme der russischen Juden ist sehr gross (35,71 %>) pro Jahr); sie ist bedeutend grösser als die der westeuropäischen Juden, und übersteigt auch die Durchschnittszahl der anderen Völker. Die Zahl der unehelichen Geburten beträgt nur den vierten Teil derjenigen der christlichen Bevölkerung. Darin liegt der Beweis für die Heilighaltung der Familie unter den Juden, welche die Grundlage jedes gesunden Staatswesens ist. — Während die Sterblichkeit unter den Juden in Russland im Jahre 1898: 17,73 %0 betrug, erreichte sie zur selben Zeit bei den Klerikal-Orthodoxen 36,י»/° 49׳ und war auch bei allen anderen Bevölkerungschichten Russlands jederzeit bedeutend höher als bei den .luden. Ru pp in bemerkt dazu sehr richtig: : ..Im Verhältnis zu der immerhin recht hohen Geburtsziffer der russischen Israeliten muss ihre Sterbeziffer als sehr günstig bezeichnet werden und stellt der Lebenszähigkeit der Rasse und. der den Geborenen zuteil werdenden Pflege ein um so besseres Zeugnis aus, als die Wohn- und Ernährungsverhältnisse in hygienischer Beizehung sehr viel zu wünschen übrig lassen.“ Die Säuglingssterblichkeit insbesondere ist bedeutend geringer als unter der gesamten Bevölkerung Russlands, und auch dieser Umstand bietet die Gewähr für den Willen zur Selbsterhaltung des jüdischen Volkes. Dass die Mutter׳ Sprache von 97 % aller Juden in Russland ״jüdisch“ ist, wird die Homogenei'sierung des jüdischen Staatswesens bedeutend erleichtern. Dank den nationalen Bestrebungen findet auch die hebräische Sprache irr- Verkehr in den letzten Jahren immer mehr Ausbreitung. - - Die berufliche Gliederung der Juden in Russland können wir natürlich nicht für die Beurteilung ihrer Eignung zu produktive! . insbesondere landwirtschaftlicher — Arbeit gebrauchen, da sie von den spezifisch russischen Landesverhältnissen und den Bedingungen beeinflusst wird, unter welchen die jüdische Bevölkerung zu leben gezwungen ist. Das letzte Kapitel illustriert die physische Qualifikation der Juden. Mit vollem Recht betont Ruppin, dass aus den absoluten Zahlen ein Urteil über die Häufigkeit von Geisteskrankheiten nicht gezogen werden darf. ״Bezüglich der Geisteskranken muss man berücksichtigen, dass die russisehen Juden durch das Wohnen in den Städten, die Vorliebe für geistige Arbeit, den harten Daseinskampf und die Teilnahme am Handel und seinen wechselvollen Erfolgen viel mehr seelischen Erschütterungen unterliegen.

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