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Jüdische Rundschau · 1906-05-04 · 10 (4.5.1906) · p. Seite 86

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
II.1906
Issue
10 (4.5.1906)
Date
1906-05-04
Page
Seite 86 (sequence 6)
Language
German
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86 LITERATURBLATT No. 10 Gelehrten aller Länder, insbesondere der in Russland, Polen und Galizien wohnenden besorgt wird, hat der hebräischen Sprache neue termini technici eingebracht und dadurch ihre Bildsamkeit und Elastizität gleich einer lebenden Sprache angebahnt und gefördert, c) Die gegenwärtige jüdischnationale Bewegung, die heutzutage das Herz und Gemüt unserer Brüder im Osten und auch zum Teile im Westen beherscht, hat unleugbar darin das Gute und Nützliche, dass sie in ihnen eine glühende Liebe zur hebräischen Sprache entfaltet hat, in der sie mit einem hohen Grade extatischer Begeisterung zu denken und zu fühlen, zu schreiben und zu sprechen anfingen, ihre Gedanken und Ideen über die bessere Gestaltung der Zukunft ihres Volkes, über dessen zu erfüllende Aufgaben in der Gegenwart klar und deutlich, schlicht und einfach, korrekt und präzise sich zu äussern und auszudrücken begannen und dadurch die hebräische Sprache ungeheuer entfaltet ausdrucksreich und für jegliche Konversation geeignet, ausgebildet haben. Die jüdisch-nationale Wiedergeburt hat also der hebräischen Sprache zur Auferstehung und Wiederbelebung verholten. An der Hand dieses sichtlichen Entwicklungsganges der hebräischen Sprache, hat sich auch daher selbstverständlich der hebräischen Wortreichtum bedeutend vermehrt und vergrössert, wie wir auch solches in den neuverfassten hebräisch-deutschen Wörterbüchern von Ben Jehuda, van Klausner und Grusovsky augenscheinlich konstatieren können. Es hat uns aber dafür bis jetzt an einem gediegenen und ausführlichen deutschhebräischen Wörte$buche, in welchem die Ergebnisse der neuesten hebräischen Sprachforschung enthalten sein sollten, gänzlich gefehlt. Diesem fühlbaren Mangel hat Rabbiner Dr. M. Margel durch sein neuverfasstes Wörterbuch gänzlich abgeholfen. Dasselbe zeichnet sich aus durch Vollständigkeit, Gründlichkeit, Gediegenheit, exakte Sachlichkeit, Präzision im Ausdrucke und durch lexikalische Kürze. An dieser, des genannten Verfassers verdienstvollen Leistung, hat man auch gleichzeitig Gelegenheit sein reiches Wissen und Kennen in den abend- und morgenländischen Sprachen, wie auch die gründliche und tiefe Belesenheit in der alten, mittelalterlichen und modernen hebräischen Literatur, die er fleissig zu seiner Arbeit benutzt hat, kennen zu lernen. In diesem sorgfaltig ausgearbeiteten Wörterbuche findet man die richtige Übersetzung für Pflanzen und Tiernamen, für medizinische Benennungen, für philophische, logische und pädagogische Termine, hier auch für alle der deutschen Sprache eigentümlichen Redensarten, schliesslich alle in der modernen hebräischen Literatur neugebildeten, geprägte Wörter, welche von Brainin, Bernfeld, Berditschevsky, Sokblow, Achad Haam, Klausner, S. .Eystein., Ben Jehuda, Ehrenpreis, Grusovsky herrühren. Bezüglich der zu diesem Wörterbuche benutzten Quellen hat der gelehrte Verfasser in seinem Vorworte ausführlichen Aufschluss uns gegeben. Somit kann dieses neue deutsch-hebräische Wörterbuch jedem Freunde unserer heiligen Sprache aufs wärmste empfohlen werden und darf dieses Werk, zu dessen Ausarbeitung der gelehrte und sprachkundige Verfasser viel Zeit, Mühe und materielle Opfer gebracht hat, auf dem Schreibtische eines jeden jüdischen Gelehrten und Schriftstellers nicht fehlen. Wer überhaupt in richtigem Hebräisch schreiben sich üben will, wer deutsch denkt und hebräisch schreibt, dem wird dieses Wörterbuch nützliche Dienste leisten. Mögen daher diese Zeilen dazu dienen, weitere jüdische Kreise tur das praktische Studium der hebräischen Sprache anzuregen und dem besprochenan Wörterbuche die weiteste Verbreitung verschaffen, um dessen Willen der Verfassser sich soviel bemüht hat und worin er seinen höchsten Lohn erblicken wird. Sofia, im׳ März 1906. Dr. phil. Z., Rabmnei.

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