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Jüdische Rundschau · 1906-05-04 · 10 (4.5.1906) · p. Seite 82

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
II.1906
Issue
10 (4.5.1906)
Date
1906-05-04
Page
Seite 82 (sequence 2)
Language
German
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82 LITERATURBLATT No. 10 trockenen Berufe, sein Ehrgeiz ging weiter. Er begann zu Schriftstellern. Und der kaum 21jährige schrieb seinen ersten Roman ״Vivian Grey“, der ebenso wie ״Contarini Flemming“ ihn plötzlich aus seiner unbekannten Grösse herausholte. Das wollte der Streber. Beide Werke machten Aufsehen, umsomehr, als das Volk die Freuden und Leiden des Rassenhasses während der Jugendzeit B. D. herauslesen konnte, denn es war augenscheinlich und würde bald bekannt, dass er die Ereignisse seiner Schulzeit seine Personen durchleben liess. Und diese ungenierte Offenheit verschaffte ihm rasch Zutritt zu höheren Kreisen, ja man fängt dort an, ihn aufzusuchen. Um keinesfalls übersehen zu werden, kleidet ei sich geckenhaft, — er erreicht sein Ziel. Er tritt nach weiteren Romanen an die Oeffentlichkeit, in denen die Sitten, das Gebahren und das Verkehrsleben in den höheren und höchsten Kreisen derart deutlich (gemacht) geschildert werden, dass die damit gemeinten Personen greifbar vom ganzen Volke verstanden werden. Die Presse fühlt sich genötigt, sich mehr als je mit ihm zu beschäftigen, sie kritisiert seine Kühnheit zum Teil derart, dass er es nötig zu haben scheint, eine Zeit lang London den Rücken zu kehren. Er beschliesst zu reisen. Er hatte nicht nötig, es sich lange und reiflich zu überlegen: wohin? Er spürte es schon lange, nach welchem Lande ihn seine Sehnsucht trieb. Nach Venedig, von wo seine Eltern gekommen, nach Spanien, wo seine Grosseltern lebten und vor allem nach Palästina, dem Erbteil seiner Rasse. Zuerst ging er nach Venedig, und dankbar erinnerte er sich sein ganzes Leben der Stadt, die die aus Spanien vertriebenen Flüchtlinge so freundschaft-‘ lieh aufgenommen; aber es litt ihn dort nicht lange, er konnte seine Sehnsucht nach Palästina nicht meistern. Er wendet seine Schritte nach׳ Aegypten, er sucht besonders die Pyramiden auf, von denen behauptet wird, dass die Kinder Israels auf Pharao’s Befehl die Steine beigeschleppt — dort hatte er die erste Begegnung und Unterredung mit einem regierenden Fürsten, dem Pascha. Und er bestieg den Oelberg und vor ihm lag sei!! Jerusalem. Welche Gefühle ‘ mögen da den getauften und doch so jüdisch fühlenden Disraeli durchdrungen haben. Und in seinem Denken dehnt si8h eine Erzählung aus zu grösserer und immer grösserer Entwickelung, eine Sage, von der er in seiner frühesten Jugend schon immer geschwärmt, die Gestalt des jüdischen Prinzen, David Alroy. Seine neue, romantische Dichtung, die auch für uns Juden der neuesten Zeit viele beachtenswerte Sentenzen bietet, ist fertig. Es würde hier an dieser Stelle zu weit führen, wollten wir ausführlich den Inhalt wiedergeben — in aller Kürze ein paar Worte: Es war nach der Zerstörung Jerusalems. Das jüdische Volk hatte zwar einen Regenten eigenen Stammes, aber er war tributpflichtig. Einer dieser war David Alroy. (Fortsetzung folgt.)

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