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Jüdische Rundschau · 1906-05-04 · 10 (4.5.1906) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
II.1906
Issue
10 (4.5.1906)
Date
1906-05-04
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Literaturblatt der Jüdischen Rundschau Beilage zu ,Jüdische Rundschau Jahrg. XL No, 18 a Herausgegeben von Dr. Heinrich £ocve, Q Redaktion: BERLIN N. W. 52, Melanchthonstrasse 4. No. 10. Berlin, 9. Jjjär 5666 — 4. Mai 1906 Jahrg. II* Benjamin Disraeli In diesen Tagen sind es 25 Jahre — es war am 18. April 1881 — seit B. D. sein Auge geschlossen. Sein Körper ist tot, aber seine Werke loben ihn in allen Toren ״für alle Zeiten“. Er war ein ganzer Mann, einer der bedeutendsten seiner Zeit überhaupt, ein grosszügiger Politiker, ein erhabener Richter, ein edler Jude. B. D. entstammte einer urspriinglieh in Spanien ansässigen Familie, die Ende des 15. Jahrhunderts vor der Inquisition nach Venedig geflüchtet und von dort. Mitte des 18. Jahrhunderts, nach London ausgewandert war, woselbst er in der Adelphi- Street, im Westend, am 21. Dezember 1804 geboren wurde. Aus seiner frühesten Jugend wird schon berichtet, dass der Junge sehr aufgeweckt und talentiert, dabei sehr herrschsüchtig und deshalb nicht leicht zu erziehen war. Mit 6 Jahren schickte ihn sein Vater in eine Privatschule. Benjamin war bald der erste der Klasse, bald war er aber auch der Schrecken von Lehrer und Mitschülern, — er suchte sie alle zu terrorisieren. Und einmal machte sich der Grimm seines Lehrers Luft mit den Worten: ״Was will eigentlich der aufrührerische Fremde“ und von der Stunde an zeigten ihm seine Mitschüler nicht mehr ihren Zorn, sondem sie mieden ihn, sie verachteten ihn. Damals, in seiner frühesten Jugend, wurde ihm zum ersten Male ein Kennzeichen ©eingebrannt, das unauslöschlich war sein ganzes Leben und das brannte, sobald seine Rasse beschimpft oder verachtend erwähnt wurde. Man tat ihn in eine andere Schule, ja in seinem 13. Jahre wurde er getauft sein Vater trat mit der ganzen Familie zum Christentum über — jetzt war er zwar Christ, doch der Judenhass trat ihm in seiner ganzen Schulzeit in seiner ganzen Grösse schon entgegen. Fs ist begreiflich, dass diese Jugendeindriieke sich fest eingewurzelt haben in dem Charakter des frühreifen Knaben und das umsomehr, als er denn doch noch nicht verstehen konnte, dass er, der doch neben• seinen Mitschülern geboren, in derselben Sprache und Sitte erzogen, plötzlich seiner Religion, seiner Eltern, vielleicht auch seines Aussehens wegen ein Fremdling sein sollte. Als er seine Schulzeit beendet, kam er mit 17 Jahren elterlicher Bestimmung gemäss auf das Bureau eines Sachwalters — er sollte einmal Jurist werden. Aber der junge Israelite fühlte sich nicht wohl in diesem

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