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Jüdische Rundschau · 1906-05-06 · 9 (6.5.1906) · p. Seite 78

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
II.1906
Issue
9 (6.5.1906)
Date
1906-05-06
Page
Seite 78 (sequence 14)
Language
German
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78 No. 9 LITJFRATIJR B L ATT Staates, nach dem Mittelpunkte Deutschlands, berufen, welche demnächst den Plan entwerfen, in allen Details zu beraten und einerseits der Pforte, andererseits den sieben Grossmächten beider Weltteile vorzulegen hat. Auch hier muss die Bangigkeit vor nationalen Vorurteilen im Voraus begraben sein. Literaturbericht Zur Geschichte der Juden in Bingen a. Rhein. Fest- Schrift zur Einweihung der neuen Synagoge in Bingen (21. September 1905), herausg. von Dr. Richard Grünfeld, Grossherz. Rabbiner. Bingen a. Rh. 1905. Wilh. Polex. (81 S.) 4. Wenn der Neubau von Synagogen Veranlassung gibt, dass solche Gemeindegeschichten geschrieben werden, so kann man nur den Wunsch äussern, dass recht viele Synagogen und ganz besonders am Rhein erbaut werden. Die älteste Geschichte der deutschen Juden hat sich am Rheine abgespielt. Leider ist aber dieser Teil im Dunkeln und die vorliegende Geschichte der Binger Gemeinde beginnt erst mit dem 12. Jahrhundert D. h. ein ganzes Jahrtausend jüdischer Geschichte am Rhein war für Bingen nicht nachweisbar. Die Festschrift setzt mit dem Beginne der Nachweisbarkeit von Juden in Bingen ein und geht bis zum Jahre 1850. Wenn auch die Gründe, die den Rabbiner bestimmt haben, die letzten 55 Jahre nicht in den Bereich seiner Darstellung zu ziehen, leicht ersichtlich sind, so muss doch dieser Umstand ,bedauert werden. Denn die Darstellung der Geschichte jüdischer Gemeinden im 19. Jahrhundert ist eine sehr wünschenswerte und dankenswerte Aufgabe. Das mindert aber nicht den Wert dieser Festschrift, die ein abgerundetes Bild gibt und für deren sachentsprechende Ausstattung nichts unterblieben ist. Am Schluss ist die Predigt abgedruckt, die Rabbiner J. Sobernheim im Jahre 1838 nach der damaligen Einweihung einer Synagoge über ״Religiöse Duldsamkeit“ gehalten hat. Die Predigt wünscht, dass die Juden allen konfessionellen Hass gegen Andersgläubige abtun sollen. Das war die Predigt der Rabbiner des ganzen neunzehnten Jahrhunderts. Haben darum die Andersgläubigen angefangen, auch nur ein ganz klein wenig von ihrem Hass gegen die Juden naohzulassen? Im Jahre 1838 gab es keinen gebildeten Mann in Deutschland, der es für möglich gehalten hatte, dass jemals die Juden wieder durch das Gespenst der Blutlüge irgendwo erschreckt werden könnten. Im Jahre 1840 war die ganze europäisch-gesittete Welt darüber empört, dass in Damaskus von fanatischen griechischen Christen diese Blutlüge ausgeheckt wurde. Im Jahre 1906 kennen wir bereits Xanten, Skurz und Könitz, wissen wir, dass in Österreich ein Unschuldiger wegen dieser lügenhaften Beschuldigung zum Tode verurteilt wurde. Ja die Zeiten sind vorüber, wo die Juden glauben konnten, dass sie im Dienste des Fortschrittes stünden, wenn sie den Juden religiöse Duldung anempföhlen. Die fleissige Arbeit Grünfelds verdient volle Anerkennung. . e—I—rn. Der Antisemitismus des Altertums in■ seiner Entstehung und Entwicklung. Von Felix Stähelin. Basel: C. F. Lendorff 1905. 54 S. 8 °. Die Arbeit S t ä h e 1 i n s , die aus einem populären Vortrag hervorgegangen ist und in ihrem ganzen Charakter gemeinverständlich geblieben ist, hat eines der interessantesten Themata der nachbiblischen jüdischen Geschichte, die Entstehung des Judenhasses in Alexandrien zur Behänd^ Jung genommen. Stähelin hat sich dieser Aufgabe in meisterhafter Weise entledigt. Sein eigentliches Thema ist mustergiltig behandelt 'worden, wenn er auch von der irrtümlichen Voraussetzung ausgeht, dsas

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