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Jüdische Rundschau · 1906-05-06 · 9 (6.5.1906) · p. Seite 66

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
II.1906
Issue
9 (6.5.1906)
Date
1906-05-06
Page
Seite 66 (sequence 2)
Language
German
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No. 9 66 LITERATURBLATT Judentums sein, wenn auch der ganze Inhalt solcher Bibliotheken ein integrienender und höchst wichtiger Teildes nationalen Bücherschatzes ist. Nationalbibliotheken sind die Königliche!Bibliothek, zu Berlin, die Bibliotheque nationale in Paris, die Sammlungen des British Museum in London. Sie sind für uns ein in ferner Zukunft z!u erreichendes Vorbild. Wie sie nichts von dem,•was es in der Literatur gibt, aus ihrem Bestände ausschliessen, und doch ihres besonderen nationalen Charakters, keineswegs enthehren, so soll die jüdische Natianalbibliothek die ganze Literatur und da§ gesamte Wissen, Dichten und Denken aller Nationen umschliessen und doch den jüdischnationalen Charakter tragen. Wir müssen daher jede Literatur pflegen und alles sammeln, was uns zugänglich ist. Wir wollen aber für unsere Gelehrtenbibliothek in erster. Reihe die Literatur des Judentums und alles das sammeln und vollständig beisammen haben, was sich irgendwie auf Orient und Palästina, auf Juden und Judentum, bezieht■ oder irgend welchen Zusammenhang damit hat; dann aber auch alles, was von Juden verfasst ist. Alle Dokumente jüdischer Geschichte von den grössten bis zu den kleinsten, einschliesslich Flugblätter und Vereinsstatuten haben in ihrer Gesammtheit einen unschätzbaren Wert für die Geschichte und den Geistesschätz der Nation. Deshalb kann jeder sammeln helfen und das Gesammelte zeitweilig an die Sammelstelle abführen. . Aber die Bibliothek ist keine Rumpelkammer, der man das gibt, was man, weil es wertlos!ist oder im Wege liegt, übergiebt, um es los zu werden. Was man der Bibliothek für einen ewigen, unvergänglichen Fond■ spendet, soll gut erhalten, soll sauber und vollständig sein. Nur dann gebe man der Bibliothek unsaubere oder gär zerrissene Exemplare, wenn der Wert der; Publikation ein so grosser ist, dass es sich sogar verlohnt, ein Fragment davon zu besitzen. Ausser der Gelehrtenbibliothek, die erst in späteren Zeiten zu ihrem wahren Wert gelangt, bedürfen wir für die nähere Zeit einer Volks- und Gebildetenbibliothek, die die Grundlage abgibt, den Bildungsstandpunkt und: das Kulturbedürfnis der jetzt in Palästina ansässigen Juden zu heben und zu verbessern. Lieber kurz oder lang werden wir auch zur Verbreitung von Bildung und Wissen der Hauptbibliothek Wanderbibliotheken angliedern1 müssen, die schön jetzt nicht minder grossen Zuspruch bei den palästinischen Juden haben würden, als sie in Norddeutschland gefunden haben, wo die׳ Wanderbibliotheken einen so ungeahnten Aufschwung zu nehmen beginnen. Hierzu bedürfen wir besonders der historischen und naturwissenschaftlichen Literatur, deren Kombination ja ein so markantes Kennzeichen moderner Kultur ist. Populäre und wissenschaftliche Werke dieser Art in allen' Sptachen werden die wertvollsten Anregungen kultureller, literarischer und nicht zum wenigsten wirtschaftlicher Art in die breiten Massen der jüdischen Bevölkerung Palästinas hiineintragen, die allein mehr als ein Fünftel der' Gesammtbevölkerung Palästinas ausmachen und deren Zahl augenblicklich wieder durch die Einwanderung aus Russland und Jemen ausserordentlich wächst. Die muslimische Bevölkerung, die schon seit langem■ sich gern der von den Juden gewährten Kulturmittel bedient, wird nicht geringen

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