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Jüdische Rundschau · 1906-03-09 · 7 (9.3.1906) · p. Seite 50

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
II.1906
Issue
7 (9.3.1906)
Date
1906-03-09
Page
Seite 50 (sequence 2)
Language
German
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50 LITERATURBLATT No. 7 unseren Vorfahren empfangener, gleichartiger Eindrücke umschlossen, die im Laufe der Jahrhunderte auf die jüdische Volksseele einstürmten und in ihr einen gewissen festen Niederschlag zuriickliessen. Kurz gesagt, die gesamtjüdische Idee wurzelt hauptsächlich in dem geschichtlichen Bewusstsein.“ Ich glaube ebenfalls, dass im historischen Bewusstsein und der Blutsverwandtschaft die Hauptwurzeln unseres Nationalbewusstseins ruhen. Die tausendfachen historischen Bilder und Erinnerungen, die in der Seele des jüdischen Volkes verankert sind, strahlen in ihr in einem bestimmten Reflex wieder, der der Seele einen psychischen Typ verleiht. Diesei psychische T3^p hat sich nun in der Nation kraft ihrer Rassenzähigkeit erhalten und hat sich umso intensiver dem Stamm aufprägen müssen, als die Juden stets — wie jede Adelsrasse — grossen Wert auf Inzucht gelegt haben. — Durch fortgesetzte Inzucht aber, so lehrt Lorenz, steigert sich die Vererbungsintensität. Diese Inzucht ist es auch, die den physischen Rassentyp so wunderbar konserviert hat, dass wir, wie erwähnt, auf alten Obelisken die heute sogenannten jüdischen Physiognomieen entdecken. Auch jene Forscher, die heute einen einheitlichen jüdischen Typ leugnen, erkennen meist Typenzweiheit oder -mehrheit an, die an den Orten der Erde, wo sie ansässig ist, sich als charakteristischer Typ von dem der Wirtsbevölkerung abhebt. Das gilt z. B, für die grosse Einheit der südrussischen Juden (Weissenburg). Neben den uralten historischen Erinnerungen und der Blutsverwandtschaft ist die Religion ein weiteres nationales Moment, das bei der jüdischen Nation in weit stärkerem Masse hervortritt als bei den meisten übrigen Nationen. Auch sie ist nicht an das Territorium gebunden. Um es vorweg zu nehmen: die Religion ist so offenbar ein einigendes Band für die Judenheit, dass ihre Bedeutung in dieser Beziehung von den Gegnern des jüdisch-nationalen Gedankens sogar oft übertrieben wird. Lazarus wirft die Frage auf, was er mit dem Juden in Abessynien gemeinsatn habe ausser der Religion? Ich sollte meinen, einen Professor, der eine komplizierte Ethik des Judentums schreibt, und einen Juden in Abessynien, der vielleicht einen primitiven, rein formellen Kult treibt, verbindet die Religion sicher nicht mehr als z. B. die Tatsache, dass sie beide Söhne eines grossen, uralten, ruhmreichen Volkes sind. Mit Recht erinnert Loewe an das Judentum der Karäer, der Chassidim, Spinozas, der deutschen Juden. Soll für diese Gruppen tatsächlich das Religionsbekenntnis das einigende Moment darstellen, und zwar selbst dann noch, wenn ich diese Religion all ihres nationalen Inhalts entkleide? Und wird nicht die ethische Grundlage des Judentums, die im wesentlichen übrig bleibt, wenn der nationale Bestandteil fortfällt, von vielen aufgeklärten Ariern Europas besser verstanden als von vielen unkultivierten Glaubensbrüdern imOsten? Die jüdische Religion ohne ihren nationalen Inhalt und ohne ihre nationale Form ist nicht —• und heute am wenigsten — das Band, das die Judenheit zu einer Einheit stempelt. Nachdem wir der übertrieben einseitigen Auffassung entgegengetreten sind, müssen wir die Bedeutung der Religion als

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