Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1906-03-09 · 7 (9.3.1906) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
II.1906
Issue
7 (9.3.1906)
Date
1906-03-09
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/8295971-9045928-8207933--250-8189896
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Literaturblatt der Jüdischen Rundschau Beilage zu .Jüdische Rundschau“ Jahrg. XI. No. 9 Q Herausgegeben von Br. Heinrich £oewe, rp Redaktion: BERLIN N. W. 52, Melanchthonstrasse 4. No. 7. Berlin, 12. Adär 5666 — 9. März 1906 Jahrg. I Jüdische Nation und Nationalität Von Dr. Aron Sandler-Breslau. (Fortsetzung.) Für die grossen Scharen frommer Juden hegen die Verhältnisse heute nicht anders. Seinen prägnantesten Ausdruck aber fand dieses Qefühl gerade in dem letzten Jahrzehnt in Form der modern jüdisch - nationalen Bestrebungen. Es ist nicht falsch, zu argumentieren (wie man es oft getan): Als Vertreter des jüdisehen Volkes in Basel erklärten: Wir sind ein Volk und wollen es bleiben, da gab es ein jüdisches Volk. Aehnlich sagt Mathias Acher in seiner Schrift: DIE JÜDISCHE MODERNE (1896): ״Schon dass es überhaupt Menschen gibt, welche von den Juden als Nationalität gesprochen wissen wollen, macht es wahrscheinlich, dass die Bezeichnung zutrifft Denn es. wird wohl niemandem einfallen, dieselbe auch auf die Gesamtheit der Katholiken und die der Protestanten oder gar auf die der Fabrikherrn und die der Fabrikarbeiter anzuwenden.’ Die Voraussetzung für die Anerkennung eines solchen Arguments ist hier freilich gegeben: das Nationalgefühl wurde nicht in Basel ״beschlossen”, sondern es wurde proklamiert, nachdem es längst in anderen Formen und Gestaltungen oder auch nur in latentem Zustande bestanden hatte; und es war auch genügend durch objektive Stigmata gestützt, deren Anerkennung und Wertschätzung in jüdischem Volke den Willen zur Nation teils lebendig erhalten, teils erst zur Reife gebracht hatte. Mit der Konstatierung der jüdischen Nation ergab sich die Forderung des jüdischen Nationalstaates von selbst. Also gerade von dem psychologischen Standpunkte Lazarus’ aus gelangt man am einfachsten zu dem Schlüsse, dass es eine jüdische Nation gibt. Welches waren nun die Grundlagen des Nationalbewusstseins? Auch hier verdienen vor den äusseren, den physischen, durchaus die psychologischen den^ ersten Platz. Dubnow findet das alle Juden zusammenschmiedende Band in dem historischen Bewusstsein. ״Dieses Etwas besteht in der Gemeinsamkeit der historischen Schicksale aller von einander getrennten Teile der jüdischen Nation. Wir sind durch unsere ruhmvolle Vergangenheit innig verbunden, von einer mächtigen Kette geschichtlicher, von

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.