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Jüdische Rundschau · 1906-03-02 · 6 (2.3.1906) · p. Seite 42

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
II.1906
Issue
6 (2.3.1906)
Date
1906-03-02
Page
Seite 42 (sequence 2)
Language
German
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42 LITERATURBLATT No. G ein£ in der jüdischen Rasse häufig vorkommende Nasenform nicht semitischen, sondern armenoiden Ursprungs ist, folgt, dass sie überhaupt kein spezifisches Rassenmerkmai ist inmitten einer ganz anders zusammengesetzten arischen Mischrasse in Westeuropa; Ich habe an anderer Stelle darauf hingewiesen, dass jene armenoiden Chetiter, die also vielleicht einen Einschlag in das jüdische Blut geliefert haben,־ selbst das .Produkt einer komplizierten Blutmischüng darstellen. ״Nach den auf ägyptischen Denkmälern abgebiiäeten Ghetitertypen hat Lapouge, auf anthropologischem Wege Sayce und sprachwissenschaftlich Jensen den Nachweis geführt, dass jene Qhetiter bereits ein Mischvolk darstellten. Und was ward überhaupt für die sogenannte Rassenreinheit ,der Juden gewonnen, wenn sie reine Semiten wären? Sind denn die Semiten eine Urrasse? O nein! Man nimmt an, dass sie sich — vielleicht in Arabien — aus der grossen dolichocephalen mittelländischen Rasse, die wir in ^der jüngeren Steinzeit antreffen, herausdifferenziert haben. Wo gibt es denn einen Markstein in diesem ewigen Fluss der Umwandlungen, der uns ein Recht gäbe, einem in die Geschichte eintretenden Volke zuzurufen, es trete bereits als ein Mischvolk auf den Schauplatz?” Wer schon an Rassenreinheit und Rassengegensätzlichkeit verzweifelt, wenn er hört, dass eine Rasse ein Mischprodukt sei, der käme konsequenter Weise zu einer Aufhebung aller natürlichen Grenzen, aller Art- und Gattungsbegriffe, denn sie,alle sind nur definierbar1 in ihrer h e ü t i g e n Oege n s ä t z 1 i c hkeit und nicht an ihren früheren Erttwickelungsformen. Im Anschluss an diese Vernichtung der jüdischen Rasse'Wurde die jüdische Nation gleich mitvernichtet. Man berief sich auf die damals für ״echt” gehaltene Defiriition Kirchhöffs, dass sich der Begriff Nation in der Staatszugehörigkeit erschöpfe; und da ja, wie wir an deutschen Katholiken und Protestanten sehen, die Religion kein nationales Unterscheidungsmerkmal darstellt (dass dieser Schluss ganz unlogisch ist, werde ich noch beweisen), so gibt es ebenso wenig Deutsche jüdischer Rasse und Nationalität, wie es Deutsche evangelischer Rasse Und Nationalität gibt. Also — eine Mischrasse ist überhaupt keine Rasse, die Religion ist nie ein nationales Merkmal, die anderen Merkmale der jüdischen Nation, die wir noch erwähnen werden, werden ignoriert, tmd den Rest von Nationalismus beseitigt die Autorität der angeblich Kirchhoffschen Definition. So argumentierten Rieger, Klausner und Karpeles. Die Kirchhoffsche Arbeit lehrt uhs eine Auffassung der Nation, die der von der Rasse durchaus parallel läuft. Auch die Nationen erfassen und definieren wir nur vom Standpunkt bestehender Gegensätzlichkeit, ebenso wie die Rasse. Wo heute gemeinsame Interessen, Territorium, gemeinsame Erlebnisse, geistige Eigenart, äusserer Typ, Religion, Sprache, Literatur und Kunst und das'Zusammengehörigkeitsgefühl oder eine Anzahl dieser und anderer Momente eine Gruppe von Menschen einigt, wo sie sie he u t e einigt, da erkennen wir die Nation ah. Wir leugnen die Nation der Vereinigten Staaten, weil sie ein Mischprodukt ist ebenso wenig, wie die jüdische Rasse, weil sie ein Mischprodukt ist. Mit jeder anderen

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