Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- II.1906
- Issue
- 5 (16.2.1906)
- Date
- 1906-02-16
- Page
- Seite 39 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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39 No. 5 LITERATURBLATT Blick verloren gehen. Der wahre Psychomonismus — wenn ein Scherz erlaubt ist. — Ich habe bereits hervorgehoben, dass die Scheidung in Kultur- und Staatsnationen ein höchst glücklicher Oedanke war. Wo beide Begriffe zusammenfallen, herrschte wohl früher Uebereinstimmung, der Streit entbrannte aber sofort dort, wo sich beide Begriffe nicht deckten, besonders bei der nicht staatlich organisierten Kulturnation. Da stellte der eine die Kultur, der andere die Staatszugehörigkeit als das Hauptcharakteristikum hin, eine Einigung war nicht möglich, weil jeder ein Stück Recht und ein Stück Unrecht hatte. Gewiss geht uns durch diese Zweiteilung die schöne scharfe Definition verloren. Aber wir wissen ja, dass eine klarere Erfassung von Tatsachen nicht immer zur Vereinfachung ihrer Definitionen beiträgt. Das erkennt man auf Schritt und Tritt in der Naturwissenschaft, und das muss um so deutlicher da hervortreten, wo einzelne Elemente des zu definierenden Begriffs (Sprache, Abstammung, Territorium) einem Wechsel unterworfen sind. Dazu kommt, dass, je mehr der Entwickelungsgedanke in die Wissenschaft eindringt, sich um so relativer die Begriffe gestalten. Die Uebergänge werden fliessender. Es fallen die chinesischen Mauern zwischen den einzelnen Gruppen, die sich in grauer Vergangenheit einander immer mehr nähern. (Fortsetzung folgt.) Literaturbericht Judentaufen Im neunzehnten Jahrhundert. Mit besonderer Berücksichtigung Preussens dargestellt von Dr. N. Samter. Berlin: M. Poppelauet 1906. (VII, 157 S.) 8. Die Schrift Samters gibt sich nicht als Forschung, wie aus dem Motto hervorgeht, das ihr mit grosser Ehrlichkeit vorangeschickt wird: „Cum ira et Studio”. Sie will gegen die Judentaufen polemisieren. Aber das zur Polemik verwendete Material beruht auf den eingehendsten Quellenstudien. Auch dort, wo wir dem verwendeten Material nicht das genügende Vertrauen entgegenbringen, hat uns der gewissenhafte Autor hierzu alles an die Hand gegeben, um nachzuprüfen, was und wie er es benutzt hat. Die sachlichen Quellennachweise sind genau und so ausführlich, wie man es nur wünschen kann. Bei einer so gewissenhaften Arbeit, bei der das Hauptmaterial freilich, nämlich die ausführlichen Sammlungen der Namen der Getauften und ihrer Stämmlinge, erst in einem zweiten Teile folgen wird, wird es gestattet sein, einige Ausstellungen zu machen, ohne in den Verdacht zu geraten, tadeln zu wollen. Samters Arbeit ist gut und hat deshalb die Kritik nicht zu fürchten. Wir gehen dabei von rechts nach links und bemerken, dass wir an Stelle eines Anhanges II., der ein Verzeichnis von Büchern und Aufsätzen gibt, welche das Christentum wahrheitsgemäss darstellen, lieber eine systematische Zusammenstellung der benutzten Literatur gewünscht hätten. Auch scheint uns, dass ebenso überflüssige Schriften hier erwähnt werden, wie wir andere vermissen, die wir hier gesucht hätten. Die im Anhänge gegebenen statistischen Tabellen werden ihren wirklichen Wert erst erhalten, wenn Samter in dem sehr erwünschten zweiten Teile die notwendigen Ergänzungen gegeben hat. Aber die Einzeleinwendungen gegen das Buch