Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- II.1906
- Issue
- 5 (16.2.1906)
- Date
- 1906-02-16
- Page
- Seite 40 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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40 LITERATURBLATT No. 5 sind nur geringfügiger Natur. Von wesentlicherer Bedeutung ist es, dass der Autor sich über die nationale Stellung der Juden keine genügende Rechenschaft abgelegt hat. Wenn er die Judentaufen bekämpfen will, so muss er zuerst einen Boden feststellen, auf dem er gemeinsam mit denen steht, deren Taufe er verhüten will. Das sind Leute ohne jede religiöse Anschauung, die vom religiösen Standpunkt aus nicht bekämpft oder bekehrt werden können. Sie sind nicht alle wie der liberale Mugdan, der ein so überzeugter Christ ist, dass er im Reichstag die Lanzen bricht, deren berechtigte Führung man ihm nicht zugestehen will. Diese Leute, die wie Mugdan an Erbsünde und Gnadenwahl, an Prädestination und ewige Höllenqualen glauben, sind unter den getauften Juden die unendlich verschwindende Minderzahl. Aber man könnte den andern mit der nationalen Ehre, mit dem historischnationalen Sinn beikommen. Der aber mangelt jener Reform, die von Samter im Gegensatz zu allen Erfahrungen ate Damm gegen die Wassersflut des Taufens empfohlen wird. Dagegen ist der nationale Sinn das einzige, was die jüdische akademische Jugend von der Taufe fernhalten kann. Gelegentlich spricht auch Samter nicht bloss von einem jüdischen Volke, sondern sogar von der jüdischen Nation. Aber die nationale Gesinnung fehlt. Mit dieser allein kann man die gebildete Jugend wieder für das Judenvolk begeistern, dem sie entstammen. Schärfer hätte es herausgearbeitet werden sollen, dass jeder, der von Dreieinigkeit, Erbsünde, Gnadenwahl, Erlösung durch das Blut des Erlösers, von der Gottheit Jesu und der Gemeinschaft der Heiligen nicht felsenfest überzeugt ist und dennoch zum Christentum Übertritt, vielleicht nicht juristisch, jedenfalls aber moralisch ein meineidiger Schurke ist. Samter sucht statt dessen nachzuweisen, dass Juden nur in den allerseltensten Fällen aus andern als rein materiellen Gründen zum Christentum übertreten. Trotz dieser kleinen Bedenken, die wir gegen die Ausführungen Samters zu äussern haben, müssen wir den glücklichen Griff uneingeschränkt anerkennen, den die rührige Verlagsbuchhandlung mit dieser neuen Publikation gemacht hat. Die Schrift ist wrertvoll und gediegen und trotz kleiner Schönheitsfehler im höchsten Masse den weitesten Kreisen zu empfehlen. Wir wünschen ihr die weiteste Verbreitung und den besten Erfolg. E1 j ä q i m. Unsere Judenfrage. Von einem Juddn deutscher Kultur. Berlin C. Verlag von Louis Lamm. Das anonym erscheinende Schriftchen beleuchtet die Judenfrage und die Versuche zu ihrer Lösung, lehnt die doktrinäre liberale Theorie ab und kommt zum Schlüsse, dass der Zionismus auch für den welteuropäischen Juden die einzige Möglichkeit gewährt, sich kulturell auszuleben. Die Argumentation ist zwar nicht neu, aber in gedrängter Kürze ist das Wesentlichste zusammengestellt. Wer sich schnell über den Gegenstand orientieren will, wird aus dem Büchlein viel Nutzen ziehen. Gewidmet sein, mag es einerseits denen, für die das Baseler Programm nur für den östlichen Bruder gut genug ist und dann besonders denen, die meinen, von der Höhe ihrer deutschen Kultur auf die kulturelle Arbeit des Zionismus herabsehen zu dürfen.- \ b. A. M. Luncz (Jerusalem) „Jerusalem“, Jahrbuch zur Beförderung einer wissenschaftlich genauen Kenntnis des jetzigen und des alten Palästinas. Herausgegeben unter Mitwirkung von Fachmännern. Erscheint in 4 Heften, Band VII. Heft 1 und 2. Verlag des Verfassers. Jerusalem 1905. Dr. Franz Schaub: „Der Kampf gegen den Zinswucher, ungerechten Preis und unlauteren Handel im Mittelalter.” Von Karl dem Grossen bis Papst Alexander III. Eine moralhistorische Untersuchung. Herdersche Verlagsbuchhandlung, Freiburg 'im Breisgau, 1905.