Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- II.1906
- Issue
- 4 (9.2.1906)
- Date
- 1906-02-09
- Page
- Seite 30 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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30 LITERATURBLATT No. 4 Das Werk Nag l’s — - wir wiederholen es — ist noch rächt eine einheitliche groüsziigige Darstellung der jüdischen Königsgeschichte, und will es auch nicht sein. Aber es ist ekv glänzendes und wohl kaum je versagendes Nachschlagewerk für alle die Begriffe, die jetzt im Kampfe um die Kultur des alten Orients hin und her schwirren. E 1 i j j a h u. M. Grunwald: Hamburgs deutsche Juden bis zur Auf' lösung der D r e i g e m e i n d e n 1811. Hamburg: Alfred Jansen 1904. (IV, 357 S.) 8. Mark 10,—. Wissenschaftliche Bücher soll man nach ihrem Werte, nicht nach der Parteistellung ihrer Verfasser beurteilen. Wer anders handelte, würde sich literarischer Brunnenvergiftung schuldig machen. Und wer anderes verlangen würde, zeigt nur, dass ihm die Elemente der Kenntnisse fehlen, die zum Lesen einer Rezension notwendig sind. Bücher von Gesinnungsgenossen können erbärmlich sein und solche von Gegnern hervorragend. Wer die Politik und die einseitige Parteigehässigkeit in die Beurteilungwissenschaftlicher Arbeiten und literarischer Kritik hineintragen würde, würde nur zeigen, dass er auch politisch nicht reif ist. Wir schicken das voran, weil wir in dem Verfasser keinen Gesinnungsgenossen haben. Aber Grunwald ist eben kein Journalist und kein politischer Schriftsteller, sondern ein Gelehrter. Er ist einer der wenigen, die augenblicklich auf dem Gebiete exakter historischer Forschung die jüdische Geschichte behandeln. Das oberste Gesetz historischer Forschung, die peinliche Genauigkeit jeder auch nur gelegentlichen Angabe, charakterisiert seine deutschen Juden Hamburgs, wie seine früheren Werke. Er benutzt die Originalquellen, er schafft sie herbei und fördert immer neues wissenschaftliches Tatsachen-Material zu Tage. Die Kultur- und Wirtschaftsgeschichte der Juden erfährt durch diese Ausschnitte aus der Geschichte der Hamburger Juden im Verein mit seinen. Portugiesengräbern auf deutscher Erde eine sehr wertvolle Bereicherung. Aber nicht minder wichtig ist das Werk für die jüdische Familiengeschichte und die seit einiger Zeit, wie es scheint, doch mehr als bisher betriebene jüdische Friedhofsforschung Von hohem Interesse sind auch die von Albert Wolf zusammengestellten Medaillen. Die Hamburger Judengemeinde ist von grosser Bedeutung für die wirtschaftliche und damit auch für die politische Entwicklung der deutschen Juden gewesen. Durch ihre Grösst und auch durch die Anlehnung an die Aitonaer Gemeinde hat sie den anspülenden Wassern der Assimilation grösseren Widerstand entgegensetzen können, als die kleinen und die allein aus fremdem Zuzug entstandenen Gemeinden. Für diese historisch so wichtige Gemeinde sind Grunwalds Arbeiten grundlegend und man kann nur immer wünschen, dass recht bald wieder ein Werk seines Fleisses und seiner wissenschaftlichen Gewissenhaftigkeit die Presse verlässt. Heinrich Loewe. Unsere Judenfrage. Von einem Juden deutscher Kultur Berlin: Louis Lamm 1906. (35 S.) 8. Mark —,60. Die Broschüre enthält zwar 35 Seiten, dieser aber nur je 24 ganz schmaler Seiten, so dass die sehr splendid gedruckte und sauber hergestellte Broschüre eigentlich nur ein Artikel ist. Das soll nicht verhindern, anzuerkennen, dass sie interessant und in fliessender Sprache geschrieben ist. Ein Grundirrtum der Broschüre ist es, zu vermeinen, dass beim Zionismus das Land Palästina nur „Beiwerk" ist, dem der Autor „nicht zu grosse Bedeutung" zumisst. Wenn das der Zionismus ebenfalls täte, so käme er in die Lage, sich auf zwei Stühle setzen zu wollen und sich statt dessen zwischen sie zu setzen. Der Autor hat als Jude deutscher Kultur die kleine Brsoschiire geschrieben und als solcher mit Recht auf die Bedeutung der jüdisch-nationalen Entwicklung zur Lösung der Judenfrage auch im Interesse der deutschen Kultur hingewiesen. Heinrich Sachse.