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Jüdische Rundschau · 1906-02-02 · 3 (2.2.1906) · p. Seite 21

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
II.1906
Issue
3 (2.2.1906)
Date
1906-02-02
Page
Seite 21 (sequence 5)
Language
German
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» No. 3_ LITERATURBLATT_Jl Als Menschenopfer betrachten Sie auch die Tötung der nach dem mosaischen Gesetz dem .„Bann“ Verfallenen, der falschen Propheten, .der kanaanitischen Unzuchtsdiemer etc. Wie Sie wollen, Herr Pfarrer. Sie bezeichnen ja auch die Tötung der Baalspriester durch Josias als Menschenopfer. Aber ich weiiss noch ein besseres Beispiel, wo ausdrücklich in maiorem Dei gloriam Tausende von Menschen hingeschlachtet wurden, ein Beispiel, dem Sie als frommer Katholik gewiss nahestehen: Die Inquisition. Aber nein! Das war christlicher Glaubenseifer. Aber Sie bleiben nicht bei der Theorie stehen, sondern ziehen auch Konsequenzen: Das mosaische Gesetz verbietet nach Ihrer tückischen Auslegung das Opfern der eigenen Kinder nur, um fremde Blutopfer desto freier zu gestatten. Da diese Opfer nicht an den Tempel gebunden waren, können Sie auch noch heute stattfinden. Zu 'ihrer Herbeiführung genügt ein Gelübde eines Juden. Die Krone Ihrer nur vom Judenhass und blödem Aberglauben inspirierten Beweisführung Sie zitieren fortwährend Dauoner und Eisenmenger — ist Ihre Benutzung jener schon von Josephus gekennzeichneten Fabel des Judenfeindes Apion von dem zur Schlachtung’ im Tempel gemästeten Griechen. Sie sehliessen: Mag das Fabel oder Wahrheit sein. Tatsache ist, dass die Juden im 2. Jahrh. v. Chr. im Rufe der Menschenfresserei standen. Welche christliche Liebe! Wie wär’s, Herr Pfarrer, wenn ich einem künftigen Historiker Ihres Schlages folgendes Manuskript hinter Hesse: „In Schweinitz lebte ein; Pfarrer 1905 n. Christi Geburt. Da er sehr fromm war, nahm er kleine fette Kinder in sein Haus, schlachtete sie, hackte sie klein und verzehrte sie an den Tagen, an denen er kein Tierfleisch gemessen durfte.“ Der brave Historiker wird schliessen: Mag dies Wahrheit oder Fabel sein, Tatsache ist. dass noch im 20. Jahrhundert katholische Priester im Rufe der Menschenfresserei standen. Warum beschäftige ich mich so lange mit dem haarsträubenden Unsinn, den Sie geschrieben haben? Nur umi darauf hinzuweisen, dass se'bst ein solcher Unsinn noch Leser finden wird, weil er gegen die Juden gerichtet ist. Ein Trost für uns ist nur das Bewusstsein, dass Sie noch 5 Jahrhunderte hinter uns, im finstersten Mittelalter, leben. Sie freilich billigen das Menschenopfer und schreiben, „dass derselbe Gott, der das Opfer der Erstgeburt von den Alten verlangte* seinerseits nicht Anstand genommen hat, Jesurnu seinen eigenen eingeborenen Sohn, für uns als Opferlamm himzugeben. Ein, Gott aber, der ein solches Opfer für uns brachte, hatte gewiss ein wohlbegründetes Recht, das, was er selbst zu leisten bereit war, auch von den Menschen zu fordern.“ Ich ^bin auf die versprochene Fortsetzung Ihrer Schrift gespannt. Schicken Sie sie mir bitte zu. Ich will sie gern rezensieren. Ihr ea. Dr. jur. W. Albrecht, Grundriss des osmanischen Staats^ rechts. Berlin, Verlag von Franz Vahlan. 1905. 91 S. 3 Mk. Zum ersten Male ist hier das Staatsrecht der Türkei 1m Zusammenhänge und systematisch bearbeitet, allerdings nur in knapper Form als Grundriss. Doch genügt diese Darstellung völlig zur ersten Orientierung über die Verfassung und Verwaltung des osmanischen Reiches und ist daher für uns von der grössten Bedeutung. Der zionistische Politiker wird Albrecht für seine Arbeit dankbar sein und di© Schrift gern und oft benutzen. Auch dem Laien werden daraus die staatsrechtlichen Verhältnisse, der Türkei klar werden. Da dies aber für einen Juden notwendig ist* der an der Palästinaarbeit tätigen Anteil nimmt, ist dem Buche A 1 b r e c h t s eine weite Verbreitung’ zu wünschen. Dr. B.

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