Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- II.1906
- Issue
- 3 (2.2.1906)
- Date
- 1906-02-02
- Page
- Seite 20 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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20 No. :3 LITERATURBLATT Menschenopfer. Hören Sie also, was ein freidenkender Jude zu Ihrem Buche sagt:•׳. Dass das Papier eines der geduldigsten Wesen ist; wussten wir schon. Aber es wird noch, weit übertroffen von dem Verleger, der Ihre Schrift übernommen hat. Augenscheinlich hat er Sie •ernst genommen; ich kann eine solche Geringschätzung Ihrer durch topographisch© Studien i!n Palästina gar nicht übel eingeführten Person nicht, über mich gtewinnen. Gleich auf der ersten Seite erheitern Sie den Leser in einer Anmerkung durch die Entdeckung, dass augenscheinlich der hebräische Gottesname ״Johveh“ (wie Sie statt des gebräuchlichem ״Jehoväh“ oder ״J ah weh“ um der guten Sache willen lesen) eng mit dem lateinischen Jupiter Jovis, Jovi, Jovem,, J o v e) zusammenhängt. Köstliche Satire!auf die Philologen! Ich hatte auf ■der Schule einen Freund, der behauptete, das . deutsche Wort, ״Nachlass“ (Erbteil) müsse mit dem hebräischen נחלת (stat. constr. von נחלת Erbteil) Zusammenhängen. Das ist Ihr Mann, Herr Pfarrer! In Ihrer folgenden, durch einen köstlichen, weil unbeabsichtigten Humor ausgezeichneten Beweisführung heisst. es dann: ״Sehr bemerkenswert ist der Umstand, dass der Jüdengott ״Johveh“ auch dein Namen ״Moleseh Johveh“ (wie Sie statt des üblichen ״Mal’ach Jahweh“ ein Engel Gottes, um der guten Sache willen lesen) oder wohl richtiger ״Moloch Johveh“ führt“ Am Schluss dieses Abschnittes sagen Sie; Dass dieser ״Molesch Johveh“ mit dem ״Moloch“ der Ammöniter identisch ist, dürfte, ״wenn auch nicht sprachlich!, so doch sachlich‘‘ für sicher gelten. Immer köstlicher! Jetzt sind wir also beim Thema, dienn der Jüdengott!ist identisch mit dem Götzen der Menschenopfer. Nach einer schönen Blütenlese von 1biblischen Erzählungen, in denen ״Johveh“ als Feuer erscheint und als Feuer seine Opfer verzehrt (Die Söhne AhronSj die Baalspriester auf dem Karmel, die Abgesandten des Ahasja etc.), sind Sie anscheinend mit Ihrer Beweisführung zufrieden und schliessen: .״Der Umstand, dass Johveh blutige Opfer, ja sogar Mensehen opfer, sich bringen lässt, dass er rohes Fleisch, ja selbst rohes Menschenfleisch, geniesst ־— und zu, diesem Zwecke als fressendes Feuer erscheint, macht auf unser durch das Christentum veredeltes Gefühl allerdings einen eigentümlichen Eindruck; aber wie die Zeiten, so die Sitten.“ Wie christlich lieb von Ihnen, dass Sie unseren Vätern wenigstens ihr Barbarentum zugute halten! Nunmehr werfen Sie Ihr Lieht über die jüdische Geschichte. Dass Abraham den ״Moloch“ verehrt hat, ist klar. Woher sollten ihn sonst die Edonniter, Midiamiter etc., die! ja Von׳ ihm abstammen, haben? Man weiss nicht recht, was man mehr anstaunen soll, diese verblüffende Logik oder dis mittelalterliche Naivetät, mit der Sie sie Vorbringen. — Auch zur Zeit Moses’ müssen bei den Juden Menschenopfer un Schwünge gewesen sein,, denn er musste strenge Gesetze gegen sie erlassen. Parallelschluss: Das häufigste Verbrechen in Deutschland ist der Mord, denn er wird am, strengsten bestraft. — Zur Königszeit kamen gleichfalls Menschenopfer vor. Da mögen Sic recht haben. Bedenken Sie, Herr Pfarrer, Sie haben einmal recht! Nur ist das Faktum keine Neuigkeit. Die Beschneddung betrachten Sie als ׳ein symbolisches Menschen- Opfer. Diese Auffassung ist weder originell, noch gut gestützt. Die schaurige Zeremonie, die Sie uns dabei1 andichten, hat mir eine Gänsehaut gemacht. Und denken Sie mal, mein eigener Vater beschneidet auch, hu, hu! — Auch den Loskau# der männlichen Erstgeburt sehen Sie als Ersatz für ein Menschenopfer an. Sie übersetzen nämlich ״dem Ewigen, weihen“ einfach• mit ״opfern“. Dass die jüdische Tradition darunter ״zum Priester weihen“ versteht, davon haben Sie naturgemäss keine Ahnung.