Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- II.1906
- Issue
- 2 (19.1.1906)
- Date
- 1906-01-19
- Page
- Seite 12 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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12 No. 2 LITERATURBLATT sind, sondern, wie man sich v o r s t e 111. . Franzos’ „Pojaz“ wird auch von uns, die wir das geistige Leben des galizischen Juden besser zu schätzen wissen, nicht übersehen werden dürfen. - E 1 j ä q i m. Literaturbericht Studien zur Wirtschaftsstellung der Juden von Dr. Felix Pinkus. Berlin: L. Lamm 1905. 6 BL, 56 S. 8°. (Erschien auch als Berner Doktordissertation.) Eine Studie zur Wirtschaftsgeschichte der Juden sollte einige Kenntnisse in der Geschichte der Juden, einige schwache Ahnung von der Art historischer Forschung aufweisen. Während wir nun der reinnationalökonomischen Bedeutung des Schriftchens nicht nähertreten wollen, müssen wir feststellen, dass die historischen Unterlagen fehlen, dass es vor allem an der Kenntnis fehlt, wie Historiker arbeiten. Wenn hier nicht der Ort ist, auf Einzelheiten einzugehen, so sei doch auf die Literatur hingewiesen, die der Autor benutzt hat. Von Graetz’ Geschichte der Juden hat det Autor die volkstümliche Ausgabe benutzt, seine hauptsächlichste Geschichtsquelle ist ihm Webers*) Lehrbuch der Weltgeschichte. Quellenzitate sind, so weit sie überhaupt Vorkommen, nur in sekundären und tertiären Formen benutzt. Ein Werk, wie Kohuts Geschichte der deutschen Juden, das mit Vorsicht genossen werden will und nur auf ein ganz unerfahrenes Publikum zugeschnitten ist, dient als „Quelle“. Dass der Name immer als Kohnt erscheint ist ein Druckfehler, der deshalb nicht arg erscheint, weil er in der Fülle von Druckfehlern geradezu ertrinkt. Dass dabei historische Irrtümer unterlaufen müssen, ist selbstverständlich. So hat Karl der Grosse keineswegs einen Juden als Gesandten zum Khalifen geschickt, sondern nur den beiden fränkischen Edelleuten, die er entsandte, einen des Arabischen kundigen Juden als Dolmetscher mitgegeben. Das ist dock etwas anderes. Die beiden Gesandten starben unterwegs und da der Jude, den Weg allein weiter machte, so war er schliesslich der, der die Botschaft überbrachte. Hätte Pinkus ausser den Wienerschen Regesten (■vom Jahre 1862) auch die von Aronius gekannt, so wäre ihm vielleicht manches aufgefallen, das ihm so entgangen ist. Auch hätte er die Arbeiten Stobbes und sogar Hönigers kennen sollen. Die Wichtigkeit des kirchlichen Zinsverbotes, das aus einer Verallgemeinerung des altjüdischen Zinsverbots hervorging, .ist verkannt worden. Es hat keinen Zweck, hier in Einzelheiten uns zu ergehen. Die Arbeit ist ein ganz nett geschriebenes, sogar stellenweise interessantes Feuilleton mit ganz hübschen Ausblicken, aber sie ist himmelweit davon entfernt, in historischen Kreisen als wissenschaftliche Arbeit ernst genommen zu werden. Das Laienpublikum möge sich daran freuen. Heinrich Loewe. V. Zapletal, D i e M ei t r i k d e s B u c h e ,s K o h e 1 e t. Freiburg (Schweiz), Universitäts-Buchhandlung (0. Gsehwend). 1904. 20. S. 8°. Einen interessanten Versuch unternimmt Z. in dem vorliegenden Schriftchen. Er will zeigen, dass das ganze Buch Kohelet in einen regelmässigen Metrum geschrieben ist. Die Einteilung in Distichen und Tristichen. dieer gibt, hat auch zunächst etwas Ueberraschendes und Bestechendes. Bei *) Der sogen. Kleine Weber.