Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- II.1906
- Issue
- 2 (19.1.1906)
- Date
- 1906-01-19
- Page
- Seite 13 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 2 LITERATURBLATT_^_IS jj genauerem Zusehen aber rindet man auch hier wie bei allen bisherigen ähni liehen Versuchen an dien Psalmen und den Propheten, allzu viel des Willkürlichen und Hypothetischen. Zuweilen muss um der Theorie willen ein 1 Wort unbetont ■bleiben, das eigentlich Anspruch auf einen Accent hat, zui weilen muss es unverdienterweise 2 Accente trag'en. Bald ist ein Wort f zu viel, bald eines zu wenig da. Das eine Mal sagt man, es ist eingel schoben, das andere Mal muss es interpoliert werden. Dass der Text an vielen Stellen verderbt ist, wollen wir zugeben, vielleicht noch öfter, als Z. annimrnt. Trotzdem bleibt wohl auch hier nur die Feststellung richtig, * dass das Buch Kohelet in rhythmisch gehobener Prosa geschrieben ist. Jedenfalls wird das Schriftchen Z.’s, dem bald eine ausführliche Darstellung der Frage folgen soll, jedem interessant sein, der sich mit diesen Problemen beschäftigt hat. ca. Zwi Awraami, Die jüdische Wirklichkeit und der Zionismus Zürich, O. v. Ostinii. 1905. Ein geistreich-allzugeistreiches Buch, Wir erinnern uns kaum, ein Werk gelesen zu haben, in dem' so wie hier die Formel auf den Thron erhoben worden ist, oder eigentlich weniger auf den Thron, als auf den Richterstuhl, um über die ganze Entwicklung unserer nationalen Bewegung das Urteil zu sprechen. Awraami will den Beweis erbringen, dass der Zionismus sein Ziel erreichen wird und zwar in Palästina. Als Kardiinalforderung stellt er anfangs gleich den Satz hin, dass wir uns davor hüten müssen, nach den Augenblickserfolgen zu schielen. In der Tendenz also nichts, was wir nicht anerkennen. Aber die Beweisführung ist neu. Da werden in dieser „sozialökonomischen Studie“ Schlagworte geprägt, dann t auf diesen ganze Systeme aufgebaut und Schlussfolgerungen gezogen, die | bis ms Kleinste hinein sehlagendie Beweiskraft haben soüen. Ja, wenn t sich das Leben auch nach diesen Formeln richten würde! Nicht einmal der i Satz, dass die Emigration sich auf der Linie des „minimalsten Wider- ■; Standes“ bewegt, kann so unbedingt als überall gütig hingenommen werden, i wenn man bedenkt, wie mitunter der Auswanderungstaumel die Juden erfasst, die in ihrer unerträglicbetn Lage nur um jeden Preis fort wollen. Allerdings, und das soll zum Schluss besonders betont werden, die Thesen! werden in ausserordentlich geistreicher Weise durch geführt und bieten unsern Theoretikern viel Interessantes. L. B. Lic. theol. Paul Fiebig, Babelund dasneueTestament. Tübingen, \ Verlag von J. C. B. Mohr (Paul iSebeck). 1905. 23 S. 8°. Fiebig bemüht sich, in einem kleinen Schriftchen das zusammenzustellen, was als Uebertragung babylonischer Mythologie auf die; Geschichte Jesu gedeutet werden kann. Er empfindet es selbst zuweilen, dass wir uns hier auf einem sehr wankenden Boden befinden. Die babylonische Mythoa logie selbst ist durchaus noch nicht klar, und die Deutungsmöglichkeiten * sind so zahlreich, dass der Phantasie fast keine Grenzen gezogen sind. | Immerhin mag es sein, dass von dieser Seite aus noch manches Licht auf i die eigentümlichen Christlisvorsteliungen ges Neuen Testaments fallen , wird. Nur bei etlichen Einzelheiten scheint es uns sicher, dass eine komplizierte mythologische Erklärung zu weit hergeholt ist. Dass z. B. der Geburtstag Jesu von der Jungfer Maria auf den 25. Dezember fixiert ist, erklärt er mit A. Jeremias dadurch, dass um Mitternacht am 25. Dezember das. Sternbild der Jungfrau :aim östlichen Punkt des Himmels aufgeht. Weit wahrscheinlicher ist doch wohl die Anlehnung des WeiihnachtSifestes, wie schon der Name sagt, an das Weihiefest (Chanukah) der Juden (25. Kislew). — Auch in seiner allgemeinen Folgerung, dass die Zeit Jesu im Judentum stark von babylonisch-mythologischen Vorstellungen durchsetzt gewesen sein i muss, können wir dem Autor nicht bieistimmen. Das Neue Testament könnte