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Jüdische Rundschau · 1905-12-22 · 20 (22.12.1905) · p. Seite 157

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
I (1905)
Issue
20 (22.12.1905)
Date
1905-12-22
Page
Seite 157 (sequence 5)
Language
German
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No. 30 LITERATÜRBLATT 157 Auch der Christ August Janssen, dessen .. J u d e n 1 i e d e r“ in: Jahre 1846 erschienen, stimmte in dieselben Töne mit ein. Aber bei ihn; ist es nur der alte Jude, der noch an diie Propheten glaubt und deshalb des Tages wartet, ״wo der Freiheitsruf erschallet und in aller Judenherzen rings am Erdball widerhallet, wo im frischen Morgenwinde wird der Lösung Banner wehen, wenn Jehovah ruft die Seinen von des Oelbergs stillen Höhen.“ Den jungen Juden liegt er dagegen Worte in den Mund, die Freiheit und die ״Lösung“ von der Freiheit Gleichheit und Angleichung in den Ländern dieis Exils abhängig erscheinen lässt. Aber auch die Töne, die August Jansser. für die Wiederherstellung und Wiederaufrichtung des niedergedrückten Volkes findet, sind voll) heisser Glut und atmen keineswegs dien Geist der Zerstörung, der damals von Männern ausging, wie dem — koste es, was es wolle — deutsch sein wollenden polnischen Juden Holdheprn. Diese Selbstentäusserimg, dieses Sdbstaufgeben in ideellem Sinne, unter volller Wertschätzung dier eigenen Persönlichkeit, war ja etwas ganz anderes als die Bestrebungen, die sogar viele, die m!it glühendem Herzen sich an der Reform beteiligten, vor Augen hatten. So war der Dichter des schönem Liedes Hagbähä, das fälschlicherweise Gabriel Riesser zugeschriehem wird, ein junger Altonaer Dichter, der das Lied zur Einweihung des Hamburger Reformtempels dichtete, von dem er irrtümlicherweise eine Regeneration des jüdischen Volkstums erwartete,?eine nationalreliigiöse' Dichtung gehört mit zu den innigsten und stolzesten, was die Juden in deutscher Sprache mit jüdischem Inhalt geschaffen haben. Es ist der nationale Ausdruck des Stolzes auf ׳ein Volk, das die Bibel geschaffen hat und sie sich trotz alller Verfolgungen nicht hat entneissen lassen. Diese junge Dichterschule der aufblühenden deutschen Judemschaft war ein weiterer Beweis für die neu keimende Lebenskraft der jüdischen Nation, während sie gleichzeitig scheinbar alle Anstrengungen machte, sich ,selbst aufzulösen. Diese kleinen Anfänge wollen wohll beachtet werden!, denn sie bergen die Keime, aus denen später die eisten Bestrebungen, eine jungjüdische Kunst zu schaffen, hervorspriessen. Damals stand diese jüdische Dichterschule, zu der auch besonders aufgeklärte Männer mit echt maFonaljiid’ischem Gefühl, wie Ludwig und P11 ö b u s P h 1i 1 i p p s 0 מ gehörten, Schulter an Schulter neben den Männern, die zu einem Teile aus der neu auftretenden Blutltüge von Damaskus die Forderung able,Steten, i'11 irgend einem Land e die Juden als Staatsgenieinschaft zu organisieren oder die zum andern Teile aus dem nationalen Judentum die historische Konsequenz der Wiederansiedlung in Palästina zogen. (Fortsetzung fdlgt.)

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