Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- I (1905)
- Issue
- 20 (22.12.1905)
- Date
- 1905-12-22
- Page
- Seite 156 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No. 20 156 _ LITERATURBLATT PhaKtasie und der Feder zurückgelegt hat. Seine Beschreibungen des Libanon sind matt» und nur dort erhebt er sich zu höherem Schwung, wo er bei Modirn der Makkabäer gedenkt. Da wallt in ihm die glühende PaSästiinaliebe über: Du Land' ich hab’ um dich Dar Tränen viel vergossen. Und dennoch siehst du mich In Leid stets neu zerflossen. Wo׳ ich auch immer geh’, Wo meine Füsse wallen — Da sind auf Tal und Höh’ : Die Ahnen einst gefallen. Und wär’ ein. Meer mein Herz, In Milliarden Tropfen, Ausgöss’ es seinen Schmerz Und hörte auf zu klopfen! \ Mit viel tieferer Innigkeit als Kossaiski: dichtet Heinrich Zirnd 0 r f, derselbe, dem wir die stimmungsvolle Uebertragung von Byrons ״Israels Los“ verdanken. Dieser dem fränkischen Teile Bayerns entstammte jüdische Humanist nahm in weitem Umfange an den jüdischen Renaissancebestrebung'en teil, ohne jedoch trotz seiner!so langen Lebensdauer — er starb erst im Jahre 1891 hochbetagt in Cincinati — einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen. Seime! umfangreichen Romane sind meist recht schwach, zeigen aber durch ihren historischen Grundzug eine nationale Stimmung, die zuweilen in letzten Versen neben den damals modernen As'imiilat'onsstücken spontan durchbricht. Wienn er das efcne Mal in einem recht wenig poetischen Gedicht die innige Freundschaft zwischen einer blonden Deutschen u!nd einem schwarzen Judenmädchen alls das Bild der Zukunft hinstellt, wo es keine Unterschiede mehr gehen soll zwischen den Nationen, so vergleicht er in einem anderen Gedicht ״Jordan und Israel“ die jüdische Nation mit der krystalkiaren Jordanswelle, die durch die trüben, .grauen Fluten des Tiberiassees, geschieden, klar und licht hindurchgeht, ohne ihre Wasser mit denen des Sees zu vermengen: Du bist, mein Volk, dem Strome zu vergleichen, Dich hat umbrauset aller Völker Wahn, Und wo du hinzogst auf der Erde Reichen, Du walltest unvermischt die reine Bahn. Wall immer fort,- gewaffnet für die Wahrheit, Den Stab des Glaubens in der Starken Hand, 4m See des Wahns bewahr’ die sonnige Klarheit, | Gleich jenem Strom in deinem Vatehland!